Montag, 27. September 2010

Butter aufs Brot statt Wurst vom Teller

Walstadion, Samstag, 25. September, 17. 15 Uhr.
Die Jungs in rotundschwarz bilden einen Kreis, in der eigenen Hälfte, die in der zweiten Halbzeit vor der Ostkurve war.  Ich lehne an der Bande. Juble nicht. Hüpfe. Nicht. Mir ist immer noch flau. Bin erleichtert, still, fast ein wenig apathisch.  Stadiongeräusche wie durch einen Lärmfilter aus ganz weiter Ferne.  Stütze den Kopf in die Hände.
Mann o Mann. Wir haben es tatsächlich geschafft und das Ding nach Hause gebracht. Durchschnaufen. Uff. Dieses Mal nicht eingeknickt. Dieses Mal nicht die Butter vom Brot nehmen lassen. Schwer gewankt, gezittert, fast wieder das Spiel weggegeben und dann doch ins Ziel gerettet. In der zweiten Halbzeit der Faden komplett gerissen. Zweikämpfe im Mittelfeld verloren. Nur noch einzelne Konter gefahren. Latte. Pfosten. Wildes Tumummel im Strafraum abgewehrt und überstanden.  Richtig ein- und ausgewechselt.  70. Minute, Sonny Kittel kommt:  Hey - wir wollen uns nicht nur gegen den Ausgleich wehren, wir wollen gewinnen, wollen das Ding nicht über die Zeit retten, auf Standards warten, sondern noch ein Tor machen. Zehn Minuten vor Schluss – Ama für Gekas. Ama, der in der Halbzeit schon am Spielfeldrand stand, jeden Einzelnen, der vom Platz  kam, abgeklatscht hat. Kommentar in der Reihe vor mir: „Ama kommt. Jetzt gewinnen wir.“ Genau so scheint es auch die Mannschaft zu empfinden. Noch mal die letzten Reserven mobilisieren. Dagegenhalten. Kittel über rechts. Köhler über links, er zieht den Ball nach Innen. Der kommt, der kommt.  Da steht Chris. Und der macht ihn. Jawohl, der macht ihn.
Ein einziger großer Schrei, eine Jubelwelle schwappt übers Stadion. 2:0. Tatsächlich. 2:0. Sack zu. Gewonnen. Die Freude der Mannschaft - wie eine Explosion. Chris, der sein Glück in den Himmel schreit. Sonny Kittel, der als erster bei Ihm ist. Maik Franz mit der gereckten Faust.  Geschafft. Knoten durchschlagen. Geschafft. Geschafft. 
Lehne immer noch an der Bande und realisiere erst jetzt, dass es heute kein Jubeln vor der Kurve gegeben hat. Sehe, wie die Jungs auf dem Platz kurz in die Runde winken, abdrehen, im Spielergang verschwinden. Huch. Bin irritiert und fühle eine merkwürdige Verbundenheit ob diesem leisen Abgang. Das war ernst heute. Kein Spaß.  Die Jungs haben für uns gewonnen und für die Eintracht.  Aber vor allem auch für sich. Für sich als Team, das gezeigt hat, dass es sich als Einheit versteht und auch als Einheit verstanden werden will.
Mein Mit-Adler stubbst mich. „Hey – was hängsten da so trüb?  Wir haben gewonnen.“ Ja. Wir haben gewonnen. Gut so. Butter dieses Mal auf dem Brot geblieben – jetzt wollen wir doch mal sehen, ob nächste Woche in Stuttgart auch  noch Wurst dazu kommt.

Kommentare:

  1. Uff. Ja. Uff.

    Rosa und ich hatten moralische Unterstützung mitgenommen, ihre große Schwester. Das konnte doch nur gut gehen.
    Zoe zog also nach langer Zeit mal wieder ihr Ochs Trikot an und war extra positiv eingestellt. Sie hat Rosa und mich schon die Hinfahrt über unabläßlich mit ihrem "Poooositiv, pooooositiv" gebrieft ;-).

    Na also, man muss nur die richtige Einstellung haben. Rosa und ich hatten die wohl etwas verloren...

    Sonny Kittel. Meine Güte, der Junge, der war so nervös am Anfang. Zumindest habe ich das so gesehen, war ja meine Seite. Aber welch rasante Laufduelle hat er sich da vor unserer Nase geliefert. Ja, der wollte und der hat diesen jugendlichen Elan, der einen mitreißt. Ich war schwer angetan.


    Mir gab das schon einen Dämpfer, dass sie nicht in die Kurve gekommen sind. Bin etwas ängstlich was sich aus dieser Distanzierung noch ergibt. Hoffentlich einfach gar nichts.

    Ok, es war nun einfach die Reaktion auf die Pfiffe, vielleicht auch auf die immer wiederkehrenden Beschimpfungen einzelner Spieler gleich mit.

    Erstmal fand ich das kindisch und es trifft halt auch alle, die nie pfeifen oder pöbeln. So mit Abstand kann ich es auch ein bisschen verstehen. Hmm, ein blöder Beigeschmack ist aber doch dabei.

    Wie auch immer, der Sieg war enorm wichtig. Was ist ein Brot ohne Butter? Und am Sonntag die Worscht auf's Brot. Pooooositiv!

    Liebe Grüße
    Nicole

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  2. Tja, das war ein klassischer Zittersieg. Gottseidank haben die Einwechslungen funktioniert. Sonny Kittel, das seh ich genau so wie du Nicole: er hat gezeigt, dass er es kann und in die Mannschaft passt. Ich hoffe, er bekommt weiter seine Chance. Dass die Mannschaft für dieses eine Mal nicht in die Kurve ist, war m.E. okay. Gerade die Beschimpfungen einzelner Spieler nehmen manchmal Formen an (und so ganz zart besaitet bin ich da nicht), die eine Reaktion erfordern. Nehmen wir es einfach als ein gutes Zeichen für den Zusammenhalt in der Mannschaft. C.

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  3. Aaaaaa – Nicole dieses Mal im Dreierpack. Sozusagen Attilas Tochter-Töchter :-) Jajaja, mit der richtigen Einstellung ist das so eine Sache. Egal, wie sehr ich während einer Woche schwanke, samstags vor dem Spiel bin ich überzeugt, dass wir gewinnen. Merkwürdigerweise trifft das trotzdem nicht immer zu…*gg… Heißt also: vor jedem Spiel ein neues Positiv-Karma aufzubauen. Zoe sei Dank – sie soll bitte auf jeden Fall auch beim nächsten Heimspiel gegen Schalke ihr Ochs-Trikot anziehen und mitkommen.

    Wg. Kurven-Boykott: Ich sehe und habe jetzt im Nachhinein gelesen, dass die meisten Fans das - ähnlich wie du, Nicole - zumindest zwiespältig sehen und dass die Mannschaft ihre Aktion als Reaktion auf das Freiburg-Spiel versteht.

    Für mich war da nach dem Spiel im Stadion zunächst kein unmittelbarer Zusammenhang mit Freiburg. Ich kann die Gesichter in der Kurve von meinem Platz aus nicht sehen, habe also auch die vielzitierten „Hassfratzen“ nicht gesehen, sondern nur die Pfiffe gehört. Und obwohl ich die Eintracht noch nie ausgepfiffen habe und nie auspfeifen werde, fand ich die Reaktion nach dem Freiburg-Spiel verständlich und ok. Die Aktion am Samstag habe ich – wie oben geschrieben – unabhängig davon wahrgenommen. Nicht als Anti-Kurve/Anti-Fan-Geste, sondern eher als den Versuch, einen Dialog herzustellen, sich gegenseitig, ernst zu nehmen, als eine Art Message: „Seht her, wir haben verstanden. Für uns ist die Eintracht wichtig; wir nehmen ernst, was wir tun. Wir haben in letzter Zeit vielleicht wirklich zu viel gelabert. Wir haben jetzt heute einen ersten Schritt gemacht. Kein Grund überschwänglich zu feiern. Danke für eure Hilfe, danke für euer Verständnis, dass wir jetzt erstmal mit uns klar kommen wollen.“ Und ab…

    Ich weiß, sehr subjektiv. Aber geht ja auch ungefähr in die Richtung von Celtix. Hoffen wir mal, dass das Thema damit erledigt ist und der Schuss nicht doch noch nach hinten losgeht.

    Herzlichen Dank für eure Kommentare und Grüße in alle Richtungen!

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  4. Selten war ich während eines Spiels so angespannt wie letzten Samstag. Am Ende ging es gut aus. Besondere Euphorie habe ich danach nicht verspürt, aber eine unendliche Erleichterung.
    Es geht also doch, wenn die Mannschaft zusammenhält, wenn sie unbedingt will, wenn Ama aufs Feld kommt und ein wenig Glück mit im Spiel ist:-).

    Frl. A

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  5. Ich sehe lieber den Ball im Tor des Gegners als die Spieler in der Kurve.

    Danke für den schönen Eintrag!

    Gruß vom Kid

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  6. ...die Worschd is diesmal halt direkt vom Platz
    zu 'Bratwust-Walter' ...

    ;-)

    ....Durchatmen !!!
    (Nachlegen!)

    LG aus HB...i.

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  7. Ein Traum von Beitrag. Dem ist eigentlich nichts mehr hinzuzufügen. Außer: Danke! Und der Kid wählt einmal mehr die richtigen Worte.

    Und am Sonntag will ich Wurst & Butter & Brot.

    Viele Grüße & weiterhin sichere Straßen,
    Fritsch.

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  8. Gewonnen-durchatmen und weiter geht`s.Am Sonntag-kommt die Worscht drauf,ich glaube ganz fest daran.
    Diesmal wird die Mannschaft nicht den Aufbaugegner spielen-sie muss sich selbst erst richtig aufbauen(Selbstbewusstsein-tanken),was gibt es da besseres als einen Sieg.
    Dass die Spieler nicht in die Kurve kamen,wer kann es ihnen verdenken und ja,ich verstehe und respektiere,was sie da taten-irgendwann muss mal ein Zeichen gesetzt-werden-und ganz ehrlich-war dieser Sieg erkämpft und erzittert(nicht souverän)-warum sollte dann gefeiert werden.
    Wieder mal eine sehr schöne Nachbetrachtung von dir,Kerstin-*Danke.*
    LG
    (B).

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  9. Jetzt hab ich (bzw. die Mannschaft hat!) die Wurst schon auf den Teller gepackt, und die Butter noch gar nicht richtig gewürdigt... Entschuldigung dafür, dass ich an dieser Stelle noch nicht auf euer nettes Feedback eingegangen bin. Die letzte Woche war hektisch, anstrengend, merkwürdig - und daher leider auch Schnipsel- und kommentarlos.

    Besser spät als nie: Danke fürs Lesen und Kommentieren - hab mich wirklich sehr darüber gefreut!

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