Samstag, 3. Oktober 2009

Jetzt geht's los!

Das muss man erstmal verdauen, oder? „Eigentlich“ ganz ordentlich mitgespielt. Stark in den Zweikämpfen. Wuseliger Köhler. Wieder erstarkter Chris. Sehr starker Schwegler. Schwache, sehr schwache Schalker. Hey, hier können wir heute was holen. Der Ball läuft flüssig von hinten heraus und durchs Mittelfeld. Fehlerquote gegenüber dem VFB-Spiel deutlich gesenkt. Nur vor dem Tor. Null. Nichts. Gar nichts. Oka verletzt? Das ist jetzt nicht wahr. Nicht auch noch Oka. Doch. Oka wird rausgehen in der Halbzeit. Dann halt mit Zimmermann. Hey. Das wird.

Und dann? Statt in der zweiten Halbzeit etwas drauf zu packen, kombinieren wir nett weiter. Immer schön eng, immer durch die Mitte. Könnte ja sein, dass man sich aus den Augen verliert, noch mal kurz, noch mal kurz. Und – wutsch - weg isser der Ball. Haaaallo – ohne ein Tor zu schießen, hat noch keine Mannschaft ein Spiel gewonnen. Und falls die Unsrige gehofft hatte, dass 0:0 gefällig nach Hause zu tändeln (verwalten?) – spätestens als Asamoah eingewechselt wird, ist klar: Das wird nichts. Bei uns kommt Caio und findet einmal mehr nicht statt. Meier heute leider auch nicht. Michael Skibbe nagt ratlos an seiner Unterlippe. Ernüchternde Bilanz nach Abpfiff: Letztlich sang- und klanglos 2:0 verloren. Oka ist verletzt. Schwegler mit gelbrot raus und auch T-Bär (der mitohne Haare und gestutztem Bart ein bisschen zum Fürchten aussieht und manchmal auch so spielt), wird gegen Hannover seine fünfte gelbe Karte absitzen.


Schon vor dem Spiel hatten wir im Kamin draußen Feuer gemacht. Nach dem Spiel Fernseher aus – nein, keine Lust mehr auf Interviews - versammeln wir uns hier. Lagerfeuer-Atmosphäre. Das Bier ist kalt. Schaue in die Flammen. Schwierige Tage werden auf die Eintracht und auf uns zukommen. Wieder mal. Kühl ist es geworden. Ich fröstele, rücke ein wenig näher ans Feuer, ein Holzstück bricht knisternd nach unten, die Flammen züngeln. Schön. Merke, wie die Spannung von mir abfällt. Bin ganz ruhig. Blätter rascheln. Ziehe die Kapuze meines Sweatshirts ins Gesicht. Licht im Dunkel.
Der Morgen danach. Habe tief und fest geschlafen, die Woche war anstrengend, war müd und matt gestern. Beim Aufwachen warte ich auf das zusammengedonnerte, dumpfwehe Gefühl, das nach jeder Eintracht-Niederlage in mir nagt. Nichts. Nur ein leises Ziepen. Fenster auf. Raus in den Garten. Ein weiterer dieser fast unwirklich schönen Frühherbsttage, die dieses Jahr uns beschert. Ein geschenkter Tag. Mattfarbene Blüten. Sonne, die durch die Zweige bricht. Die ersten Nüsse sind vom Baum gefallen und liegen wie Ostereier im Gras. Aus den Weinbergen tönt das leise Plop-plop der Schreckschussanlagen. Alles ist gut. Gute Stimmung haben, wenn alles gut läuft ist leicht. Kann jeder. Hey – jetzt wissen wir Bescheid. Überflieger. Größenwahn. Ganz so einfach wird es nicht sein. An ein paar Schräubchen drehen und alles ist anders. Anfangsschwung. Neue Besen. Nein, nein. Jetzt wissen wir: Es führt kein Weg daran vorbei: Das hier – genau das ist unsere Mannschaft. Mit genau diesen Spielern, mit ihren Fähigkeiten - und mit ihren Schwächen.

Jetzt fängt es doch eigentlich erst richtig an. Jetzt kann die Mannschaft zeigen, ob und wie sie mit dem neuen Trainer einen neuen Weg gehen kann. Jetzt kann Michael Skibbe zeigen, was er wirklich kann und ob der Weg, den er geht, neu ist. Und vielleicht können ja jetzt auch wir als Fans anfangen, unseren neuen Trainer „anzunehmen“. Nicht nur als „Nachklapp“ von Friedhelm, der – je nachdem wie tief beim Einzelnen die Schrunden der letzten Saison sind – entweder euphorisch, abwartend oder kritisch ausfällt. Sondern einfach als Michael Skibbe, Trainer von Eintracht Frankfurt.

Jetzt, jetzt wollen wir doch mal sehen, was diese Mannschaft kann und was wir mit ihr erreichen können. Traut euch. Kopf aufkrempeln.

Hallo Welt! Hallo Eintracht!

Kommentare:

  1. Schöner Eintrag, Kerstin. Das nächste Spiel kann immer auch ein neuer Beginn sein.

    Skibbe annehmen? Der Gedanke scheint mir nicht verkehrt zu sein, wenn ich so manchen Kommentar im Internet lese.

    Ich habe ihn ja schon das erste Mal "verteidigt", kaum dass er verpflichtet wurde. :-) Das hindert mich allerdings nicht daran, das zu tun, worum er gebeten hat: "Ich will attraktiven, guten und aufregenden Fußball spielen lassen. Wir wollen Begeisterung und Feuer im eigenen Stadion auslösen. Daran will ich mich messen lassen."

    Mache ich. Darauf kann er sich verlassen. :-) So wie er sich darauf verlassen kann, dass ich ihm reichlich Zeit geben werde, seine Vorstellungen in die Tat umzusetzen.

    Und wenn die Eintracht gegen Hannover so spielt und kämpft wie gegen Dortmund, werde ich wieder voll des Lobes sein. Ich bin halt "einfach strukturiert". :-)

    Gruß vom Kid

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  2. Dumpfwehe Gefühle kenne ich gut. Es fröstelt in dieser Republik. Danke, daß ich am Feuer dabei sein durfte. Und was Kid schreibt unterschreibe ich sofort. Jedes einzelne Wort!

    Viele Grüße & weiterhin sichere Straßen,
    Fritsch.

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  3. Ja, da habt ihr natürlich recht. Manchmal sind Dinge ganz einfach: Gut ist gut und schlecht ist schlecht. Manches ist richtig, und manches ist falsch.

    Ich bin wirklich gespannt wie es weitergeht, wie die Mannschaft reagiert, wie Skibbe mit dem ersten leisen Gegenwind umgeht. Auch ich will ihm gern reichlich Zeit geben, merke aber, dass ich mir selbst gegenüber vorsichtig sein muss. Ertappe mich nämlich dabei, dass ich offensichtlich ein bestimmtes Skibbe-Bild habe und wünsche mir, dass sich jetzt herausstellt, dass das so nicht stimmt.

    Schön wäre: Skibbe geht sein Ziel mit genau den Möglichkeiten, mit genau der Mannschaft an, die wir nun einmal haben und die (davon bin ich zumindest überzeugt!) deutlich mehr kann als gegen den Abstieg zu spielen - und wir freuen uns über die Fortschritte, die Skibbe mit seiner Denk- und Spielweise erzielt, und nehmen auf dem Weg dahin auch Dellen und Rückschritte in Kauf. Dann wäre das "Annehmen" von beiden Seiten geglückt :-)

    Frösteln tut es einem immer häufiger. Stimmt. Und das liegt im Moment noch nicht an den Temperaturen.

    Danke fürs Vorbeischauen und einen Moment (am Kamin? *g) sitzen bleiben :-)

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  4. Vielen Dank,Kerstin,habe auch ein paar Minuten,wenn auch verspätet,am Kaminfeuer mich erwärmt und nicht nur daran.*lächelt*
    Klasse Impressionen von Dir,klasse Deine Gemütslage geschildert und ich ,Blindschleiche,ändere meinen Tipp,lacht.

    Ja so ist dass Leben,sollte nicht sein am Freitag gegen Schalke,obwohl wir einen Punkt,greifbar nahe waren.
    Die Mannschaft,zeigte sich gegenüber dem Stuttgartspiel schon verbessert und die Tore,hätten nicht sein müssen,aber wir machen Zimbo,keine Vorwürfe,er ist halt doch noch sehr unerfahren und machte an diesem Abend,nicht gerade den sichersten Eindruck.

    Zumindestens kassierte er nicht so kuriose Tore,wie die Hertha,am Sonntag,ist doch auch schon was.

    Wie gesagt,die Mannschaft zeigte sich verbessert und man sollte den Trainer Skibbe,in Ruhe arbeiten lassen,denn nur ein neuer Trainer und 2 -3,Neuzugängen,damit kann man *noch*nicht viel bewegen.
    LG
    C.Willi(B.)

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  5. Das ist ja das Schöne, wenn man an einem Kamin sitzt - die Zeit ist irgendwie ausgeblendet. Du kamst also gerade rechtzeitig:-)

    Nein, wir machen dem Zimbo kein Vorwürfe. Und dein Tipp war schon richtig - die Mannschaft hat halt dieses Mal einfach nicht auf dich gehört *g (wenn WIR nicht mehr dran glauben würden...)

    Danke fürs Vorbeischauen - freut mich sehr!

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