Freitag, 23. Oktober 2009

Eintracht-Schnipsel 8. Oktober bis 23. Oktober

8.10.
Herta gewinnt. Und da diese Meldung in diesen Tagen ungewöhnlich ist, sorgt sie für einiges Aufsehen. Ein befreundeter Germanistikprofessor meint: „Doch, doch. Ich denke schon, dass sie zu den 100 besten deutschen Autoren gehört.“ Grass.

Lese, dass Herta Müller erst die zwölfte Frau ist, die den Literaturnobelpreis erhalten hat. Also in den letzten 109 Jahren immerhin eine Fußballmannschaft. Bekommen wir die Mannschaftsaufstellung zusammen? Pearl S. Buck. Sagt mein Mit-Adler. Ich kontere mit Nelly Sachs. Nadine Gordimer. Doris Lessing. Tony Morrison. Mmh. Selma Lagerlöf? Ja, Selma Lagerlöf gehört auch dazu. Und natürlich Elfriede Jelinek – als überraschend in letzter Sekunde eingewechselter Joker. Wären wir also bei sieben. Die anderen vier müssen wir nachschlagen. Sie heißen: Grazia Deledda (1926), Sigrid Undset (1928), Gabriela Mistral (1945), Wislawa Szymborska (1996). Jetzt also verstärkt durch Herta Müller. Sieht so aus, als müsse Jogi Löw sich zumindest vom Titel „Die Frisur“ schon mal verabschieden.

9.10.
Barack Obama überholt sich selbst und erhält den Friedensnobelpreis. Bei seiner kurzen Dankesrede wirkt er nicht besonders glücklich. Könnte sein, dass dieser …ähem… Schuss nach hinten losgegangen ist.


10.10.
Eintracht-freier Samstag. Herbsteinkäufe in der Stadt: Federweißer. Pflaumen. Äpfel. Der erste Feldsalat. Die letzten Tomaten. Ein T-Shirt. Sonnenblumen.


Entscheide mich nachmittags gegen die deutsche Nationalmannschaft in Russland und für Sebastian Jung und die U20-WM in Ägypten. Der Jung-e war zwar vor ein paar Wochen „noch nicht so weit“, um im Waldstadion auf der Bank zu sitzen, inzwischen ist es aber bis nach Frankfurt durchgedrungen, dass er „es hat.“ Leider scheidet die U20 heute trotzdem in der Nachspielzeit gegen Brasilien aus dem Turnier aus.

Apropos Nachspielzeit. Abends der Anruf eines Mit-Adlers. Er war heute den ganzen Tag unterwegs und hat das Länderspiel aufgezeichnet, um es sich später in Ruhe anzuschauen. Kopfhörer auf. Bus. Alles easy. Kein Ergebnis, nix mitgekriegt. Er steht vor der eigenen Haustür. Der Nachbar kommt ihm entgegen, winkt. Kopfhörer runter: „Deutschland – gut… 1:0 gewonnen.“ Gong. Tja. Wie gesagt: Auch außerhalb des Platzes dauert ein Spiel 90 Minuten. Und manchmal halt auch länger.

11.10.
Nicht nur die Eintracht, auch einer meiner Mit-Adler war in diesen Tagen auf Studienreise in Griechenland und kehrt heute zurück. Zwar nicht Xanthi, aber Korinth. Delphi. Athen. Abends im Restaurant. Ein launiger Gastwirt, der die deutschen Gäste nach ihren Lieblingsvereinen befragt. „Eintracht Frankfurt!“ Eintracht? Eintracht. Cool. "Da kennst du ja sicher auch die griechischen Spieler?" „Logisch: Amanatdis, Liberopoulos….“ Auch Kyrgiakos? „Klar! Auch Kyrgiakos.“ „Das ist mein Cousin!“ Und er präsentiert auch gleich die entsprechenden Fotos. Goscinny und Uderzo waren halt doch Realisten. Wie heißt es in „Asterix bei den Olympischen Spielen“ über die Griechen: „Alles Vettern!“
12.10.
Im Februar forderte Eintracht-Präsi Fischer, wenn die Eintracht kein Geld habe einen Gomez zu kaufen, dann
„müsse man halt einen machen.“ einen ähnlichen Gedanken verfolgt anscheinend die EKD, die es für sinnvoll hält, mit Plakaten für mehr Kindersegen zu werben und zu diesem Zweck z.B. Jens Lehmann und seinen Vater bemüht. „Mach dich unsterblich – werde Vater!“ Hilfe! Und wer garantiert, dass am Ende nicht wirklich ein Lehmann oder ein Gomez herauskommt?

13.10.
Patrick Ochs ist verletzt, Fenin noch angeschlagen, Bajramovic noch nicht ganz fit. Jetzt zwackt es auch Ama und Franz. Nicht ganz unrealistische Vision vom Abschlusstraining gegen Hannover: Alle sind verletzt, nur Schwegler, T-Bär und Russ trainieren – aber die sind fürs nächste Spiel gesperrt.
14.10.
Was tut man, wenn man zu tief ins Glas geschaut hat? Ganz einfach: Man ruft einen
Stinktierflüsterer. Zumindest dann, wenn man ein Stinktier ist. Ansonsten hilft am besten: Ausschlafen.

Übrigens: „Nichts außer der Vergangenheit gehört uns mit Gewissheit.“ (Evelyn Waugh, Wiedersehen mit Brideshead).

16.10.
Adlerbesuch aus Bremen. Eigentlich wollten wir heute unseren jährlichen Ebbelwoi-Cup im Tischtennis ausspielen, aber leider: Das Wetter spielt nicht mit. „Wie wär’s – wir fahren zum Abschlusstraining?!!“ Der Gast-Adler strahlt: „Da war ich noch nie!“ Bei SonneWindRegen fahren wir los, tappern durch das Waldstadion wie durch Eintracht-Wonder-World. Ein kleines Mädchen zeigt uns ein Bild, das sie gemalt hat und das sie neben Ama zeigt. Was sie damit will, steht ebenfalls auf dem Bogen: „Auto Kramer“. Maik Franz erzählt uns, dass er morgen spielt. Maddin sagt, dass er es gerne würde. Schwegler lächelt. Michael Skibbe findet es „cool“, dass es in Bremen vier Eintracht-Fans gibt. Und Oka sorgt freundlich, aber bestimmt dafür, dass wir nicht auf den Rasen treten. Glücklich fahren wir wieder nach Hause.

17.10.
Vor dem Spiel gegen Hannover. Fast schon auf dem Weg ins Stadion und dann plötzlich alles ganz anders. Der Tag zerbricht, die Welt steht einen Moment still. Hilflos. Klein. Ängstlich. Dann doch die erleichternde Nachricht: „Nur“ ein Warnschuss. Rechtzeitig. Alles wird wieder gut.

Die Eintracht tut mir, tut uns den Gefallen und gewinnt. Tatsächlich: Sie gewinnt. Kuller.

18.10.
Unwirklicher, sonnig-nebliger Tag. Blätter fallen. Bob singt. "My heart is not weary. It's light and it's free."

19.10.
Die Dinge gehen ihren Gang. Ich auch.

Dem Kicker entnehme ich, dass in der Spieler-Fairplay-Wertung des 9. Bundesliga-Spieltags Marco Russ an dritter Stelle steht. Klar, denke ich mir. Kein Wunder, dass der so weit vorne ist – der hat ja nicht gespielt. Stutz. Noch mal lesen: Ah, so. Es ist von Marco Reus die Rede. Marco Reus aus Gladbach. Na, dann!

20.10.
Hammer-Ergebnisse in der Championsleague. Glasgow verliert zu Hause 1:4 gegen Sevilla. Liverpool unterliegt Lyon mit 1:2. Real verliert gegen den AC Mailand mit 2:3 und Barcelona unterliegt – oops – Kasan mit 1:2. Jede Menge überraschende Auswärtssiege. Doch. Mit dem Gedanken könnte ich mich anfreunden.

21.10.
Wir sind zwar nicht das Volk, aber immerhin die Eintracht.
Wiedervereinigung am Stadtwald - titelt HR Online deshalb nicht von ungefähr und berichtet, dass jetzt auch bei uns zusammenwächst, was zusammengehört und die U23 jetzt endlich, wie die erste Mannschaft, im Waldstadion trainiert. Eine gute Nachricht. Herzlich willkommen.

22.10.
Nikos Liberopoulos läuft im Training gegen einen
Dummy und verletzt sich am Schienbein. Dumm gelaufen.

Massenschlägerei bei einem Turnier in Langgöns bei Gießen. Es sollte ein Zeichen für mehr Toleranz und Demokratie gesetzt werden. Zunächst, so wird berichtet, hätten sich nur zwei Spieler der zehn Teams gestritten. Am Ende seien bis zu 60 Personen in die Schlägerei verwickelt worden. Sauber. Und das ganz ohne Friedensnobelpreis. Wundert mich eigentlich aber nicht. Denn wie sagte schon Heinz Becker: „Ich bin weiß Gott net tolerant.“

Harte Zeiten und das trotz zu viel
Weichmachern. Nicht schön. Ärgerlich. Möglicherweise auch ein Grund, mal wieder über ein paar Dinge nachzudenken. Aber doch kein Grund zur Panik. Oder doch? Eintracht-Heimtrikot bis auf Weiteres am besten in Folie einschweißen und zugriffssicher verstauen. Danach schnell zur Schweinegrippeimpfung. Keine Zimtplätzchen zu Weihnachten. Und von zu viel Ebbelwoi bekommt man Durchfall. Die Welt ist voller Schrecken und Gefahren. Wir sollten die Dinge noch besser als bisher überwachen.

23.10.
Mehr Überwachung? Noch mehr Verbote? Bei Celtic Glasgow wird das bereits vorbildlich umgesetzt. Hier herrscht bereits
Feier- und Freuverbot. Brave new world statt brave hearts.

Der Kicker vermeldet, dass es in der Verfassung, in der die Bayern sich am Mittwoch gegen Girondins Bordeaux verloren haben,
„sogar“ gegen die Eintracht schwierig werden wird. Sogar gegen die Eintracht? Hoppla. Gerade gegen die Eintracht. Die Bayern fürchten sich vor uns? Selbstverständlich fürchten sie sich. Und mit was? Mit Recht.

Es ist angerichtet:

Kommentare:

  1. "Frikadellen, mein Mädchen, es gibt nichts auf der Welt, das so riecht wie Frikadellen. Ich liebe den Geruch von Frikadellen am Morgen. (..) Wie Frikadellen riechen? Wie nach Sieg riechen sie!"

    Schöne Schnipsel. Danke!

    Gruß von Kid "Kilgore" ;-)

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  2. Die Ereignisse vom Celtic-Spiel sind nur ein weiteres Zeichen für die elende politisch-gesellschaftliche Entwicklung in ganz UK und der Republik Irland: Hysterie, Ablenken von katastrophalen Alltagsverhältnissen (etwa Public Health Service, öffentliche Verkehrsmittel, verwahrloste Stadtbezirke) und ein krampfhaftes Bemühen "modern" (= sicher, gesund, reformfreudig) zu sein. In der insularen Form haben wir das hier noch nicht ganz hingekriegt, aber was nicht ist...

    Eintrachtmäßig sollte sich einige Leute mal Gedanken machen, ob wir nicht gar zu friedlich vor uns hin und ker kurzpassen und dabei nach vielen Fehlern in einer Art stand by-modus versacken. Ich hätte lieber mit Pauken und Trompeten 3 : 0 verloren!

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  3. Hallo Kerstin,
    wie immer,sehr schöner Schnipsel und ja,es ist und wird angerichtet,FRIKADELLEN!!!,für den Mittwoch,schön genüsslich verspeisst und die Lederhosenfraktion mit.
    Wobei mir die Frikadellen nicht so im Magen liegen werden,als eine Niederlage im Pokal,gegen die Bayernfraktion.
    Also Jungs,Frikadellen essen,raus auf den Platz und Bayern e Watschen verpasse.
    LG
    B.
    Schönes Spiel für Dich,am Mittwoch!!!

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  4. Ja, nicht mal die Iren und die Schotten sind noch das, was sie mal waren. Und Frikadellen sind offensichtlich nur dann spielergebniswirksam, wenn sie alt und eklig sind.

    Dann wollen wir mal hoffen, dass der stand-by-modus am Mittwoch auf "on" gedreht wird, wir außerhalb des Platzes tolerant sind, dafür auf dem Platz Angst und Schrecken verbreiten - so, dass der Ebbelwoi danach schmeckt, wir aber trotzdem keinen Stinktierflüsterer brauchen, sondern uns einfach auf die Auslosung des Viertelfinals freuen können. Yep!

    Danke fürs lesen und kommentieren - freu mich sehr, dass ihr schnipselmäßig mit mir am Ball bleibt :-)

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  5. ...ein seeehr schöner Rückblick...

    ...von den Ereignissen fast überrollt,
    UND:
    Unglaublich,
    -> alles is schon wieder eine 'Ewigkeit'
    (10 Tage... :-O !) her...
    Aber ,(fast) alles is gut geworden...

    ps:
    Fenins 'Schwangerschaft' ausm SGE-Shop
    war ECHT nur die SPITZE des 'Glücksbergs'...
    :-)))

    Vielen DaZk von der Weser...

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