Mittwoch, 5. Februar 2020

Mit dem Filip, mit dem Filip...

Wer will schon einen Verein,  der jedes Spiel routiniert abspult und fast immer gewinnt, wer will das?

Gestern war so ein, mmh, muss das sein-Tag. Gewusel und Gerenne seit morgens, Eigentlich noch so viel zu erledigen. Schon wieder Leipzig - mmh. Und das doofe Spiel in Düsseldorf noch im Kopf. Muss schon so früh los, pack ich das zeitlich überhaupt. Soll ich? Ich glaub, ich bleib daheim. Oder doch nicht? Hab noch nix gegessen seit heute morgen. Huuunger. Blödes Wetter ist auch noch. Regenjacke. Eintracht-Schal. Komm. Auf. Gib dir einen Ruck, fahr einfach los. Und so hab ich es gemacht. Was für ein Glück.

Später als gedacht komme ich im Stadion an. Die S-Bahn verspätet, Riesenstau am Einlass, klar, heute kommen alle gleichzeitig von der Arbeit. Uff, drin und es reicht gerade noch für ein Stück Pizza und einen Becher Wasser. Im Herzen von Europa.  Huch - heute mit Hasebe. Und dann geht es los. Erst denke ich, wir sehen heute das gleiche Spiel wie vor zehn Tagen - Leipzig kombiniert und drängt, wir stören beharrlich - aber dann merke ich: Hey, da ist etwas anders, da geht was. Aus Balleroberungen werden heute saubere Pässe und immer häufiger richtige Konter. Dieser Filip. Wahnsinn. Eine Naturgewalt. Und wer hat eigentlich aus dem ersten Spiel gegen Leipzig mehr gelernt? Hütter oder Nagelsmann? Klarer Punkt an Adi.

Der Elfer. War es einer? Der Videoassist hat immer recht. Einen Moment zweifle ich noch, ob wirklich Silva der richtige Schütze ist. Nur einen Moment. Silva. Tor. (Und nicht allzu oft habe ich so einen perfekt verwandelten Elfmeter gesehen - genau da muss er hin, flach, präzise, genau ins Eck). 1:0. Und strange enough: Genau ab diesem Zeitpunkt bin ich mir sicher, dass wir das Spiel heute gewinnen werden. Kein Zweifel. Das wird.

Die Leipziger kommen einfach nicht mit uns zurecht. Wie vor zehn Tagen wirken sie schon zur Halbzeit reichlich entnervt. Keinen guten Abend hat zweifelsohne der auf der rechten Seite mehr oder weniger wirbelnde Christopher Nkunku, der mir  - sorry, da bin ich als Fan unprofessionell - fast leid tut. Er wird hart angegangen, in die Zange genommen, von Hinti rüd gerempelt, von Abraham umgesenst, und ich kann nicht erkennen, dass er besonders theatralisch fällt, zu lange liegen bleibt oder jammert, echt nicht. Aber ok, er beschwert sich einmal zu viel beim Linienrichter. Klarer Fehler und - wie schon vor zehn Tagen - Lieblingsbuhmann. Klar, mit Pfeifkonzert und Pöbeleien muss er umgehen können. Kann er nicht.

Es gibt immer diesen einen Punkt in einem Spiel, in dem es kippen kann. Wirklich fast immer und in fast jedem Spiel. Davon bin fest überzeugt. Manchmal ist es nur eine Millisekunde, wenn genau dann das richtige passiert und genau dann die Mannschaft diesen Faden packt, dann geht es. Dann geht alles. Dann ist alles möglich (aber natürlich ohne Garantie). War das gestern nach dem Anschlusstreffer der Leipziger auch so? Irgendwie schon, aber sie - die Leipziger - haben es nicht gemerkt. Immer weiter so, flüssig, gut geölt. Doch, schon auch torgefährlich. Was hat Uwe noch gleich beim Ligaspiel gesagt? "Die machen heut im Leben kein Tor." So auch mein Gefühl gestern Abend. Und da ist dann ja auch noch der Trapper, der mir mit seiner Eitelkeit schon öfter mal Unwillen bereitet, bei dem ich aber gestern das eine oder andere Mal Abbitte geleistet habe. So souverän, so spielintelligent, so reaktionsschnell. Also: Er kann schon was...

Die Leipziger mühen sich, auch Timo Werner müht sich jetzt mit . Du liebes bisschen, was ist denn mit dem passiert, da geht ja gar nix. Und dann kommt Paciencia. Und dann ist da Kostic. Und dann. Und dann. Und dann ist nur noch Jubel. Jubel ohne Ende. Eigentlich wollte ich direkt nach Abpfiff gehen, von wegen S-Bahn und so weiter. Aber hey, das geht heute nicht.  Filip, Filip. Schwarzundweiss wie Schnee. Berlin, Berlin - fahren wir dieses Jahr wirklich und wahrhaftig wieder nach Berlin? Laaaangsam...

Zurück in einer voll gestopften  S-Bahn voller glücklicher Eintrachtler. Neben mir zwei abwechselnd deutsch und polnisch sprechende mittelalte Haudegen. Rechts ein junger Schwarzer, der sich mit seinem Kumpel akzentfrei deutsch unterhält. In die Ecke gequetscht ein deutlich in die Jahre gekommenes Paar.  (Sie: "Ei klar sin mir im Stehblock. Anners geh ich net ins Stadion.) Ein Trupp singender Teenies. Ich mit meinem dicken rotundschwarzen Eintracht-Schal, den mir meine Adler-Freundin Nicole zu Weihnachten gestrickt hat. An der Tür zwei Adler-Familien mit Kids, Junge, Mädchen, vielleicht sechs oder sieben Jahre alt mit Eintracht-Rucksäcken. Etwas schlaff hängen wir jetzt alle in den Seilen, erschöpf, aber glücklich und über allem schwebt der Geist des Adlers. So simmer halt. Ein bunter, in diesen Momenten eng zusammengeschweißter Haufen aus allen Ecken der Welt und des Lebens.

Ist es Diva oder hat der Wahnsinn Methode? Wie auch immer: Das Leben ist schön, wenn es wild ist. Eintracht!



1 Kommentar:

  1. Und die Filip-Festspiele gehen weiter. Einen so souveränen Sieg unserer Eintracht habe ich schon lange nicht gesehen, außer den gegen zehn Bayern.
    Sing: schwarz-weiß wie Schnee......

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