Montag, 14. Dezember 2015

Ojemine, ojemine!

Wenn ich in diesen Tagen an die Eintracht denke, macht sich in mir eine große Traurigkeit breit. „Zweite Liga, Frankfurt ist dabei,“ haben gestern die Dortmunder (getragen von Sachkenntnis und durchaus mit einer gewissen Berechtigung) gesungen. Ums Herz herum, dort wo die Eintracht seit vielen Jahren ihren Platz hat,  zieht es - so ein leichtes Vibrieren, ein Flattern,  das sich in Richtung Magen ausbreitet. Kein wildes Weh, sondern ein leise ziehender Schmerz. Ich denke oft an die Eintracht, das ist sozusagen ein natürlicher Prozess, ein festes Kontinuum in meinem Leben - so auch in diesen Tagen. Manchmal sitze ich da, meine Gedanken wandern in Richtung Eintracht, mein Blick geht ins Leere (ungefähr so wie der von Armin Veh bei den Pressekonferenzen der letzten Wochen)  - ich denke an: Ich weiß es nicht. Nichts. Eine Art innerliches Hände-vor-dem-Gesicht zusammenschlagen. Oder wie im Stadion (zuletzt beim Spiel gegen Darmstadt): Die Kapuze über den Kopf ziehen und darunter - schräg von unten - aufs Spielfeld schielen.

In all den Jahren bin ich durch viele Täler und  - doch! - auch durch Höhen gegangen. Das jetzt fühlt sich an wie eine große Leere.  Obwohl es schon sehr oft nicht mehr das Geringste zu lachen gab, gelingt es mir meistens (nein, nicht immer),  zumindest ab einem bestimmten Zeitpunkt,  auch die komische Seite von all dem zu sehen. Das jetzt gehört zu den Zeiten, in denen das nicht klappen will. Es ist eine der Zeiten, in denen wir  einmal mehr über das "Über die Eintracht mache ich keine Witze, da lache ich gleich"-Stadium hinaus sind. Wenn Armin Veh Winnie Schäfer mehr oder weniger direkt unterstellt, er sei scharf auf seinen Job, ist das eher zum Weinen. Winnie Schäfer. Allein, dass Veh es für möglich  hält, dass irgendjemand bei Eintracht Frankfurt auf den Gedanken kommen könnte, Winnie Schäfer zu verpflichten, jagt mir einen Schauer über den Rücken. Warum nicht gleich Otto Rehhagel?  Oder Winnie Pu?

Ich war in den vergangenen Wochen wütend. Enttäuscht. Sorgenvoll. Nachdenklich. Stinksauer. Habe es mit Zynismus versucht - da bin ich nicht so schrecklich gut. Kämpfen? Schon klar, bis Samstag werde ich mich wieder berappeln und todesmutig und wild entschlossen meinen Platz im Stadion einnehmen. Im Moment? Weiß ich nicht, für was wir kämpfen und ich fürchte, die Mannschaft weiß es auch nicht. Im Grunde tun sie mir leid. Am meisten merkwürdigerweise Armin Veh, den ich von Anfang an nicht zurück wollte und der mir doch jetzt vorkommt wie die ärmste Socke von allen. Jeder sieht: So hat das alles keinen Sinn mehr (falls es ihn je hatte) und doch muss er immer weiter den Trainer geben: Wutreden halten, schief grinsen, Geheimtraining abhalten und sich abschotten.

14 Punkte. VIERZEHN. Tja. Werder. "Auch das wird nicht einfach," sagt Armin Veh. Wo er recht hat, hat er recht.

Kommentare:

  1. "Trainer, wir wissen wo Deim Hund sei Hütt steht" ist schließlich auch keine Lösung. Zumal der Jerry sicherlich ein netter Kerl ist und selber wohl leidet, genug mit Ratlosigkeit geschlagen ... https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/2/22/HMVEG962.jpg

    "Leere und Leere ist nicht dasselbe", würde mein alter japanischer Freund jetzt sagen. Es gibt ja die kribbelnde produktive, und andererseits die schwere und lähmende, die sich zurzeit gerade breitmacht. Verursacht wahrscheinlich durch die Ungreifbarkeit der Situation, das Fehlen ... ja irgendwie von allem. Es ist, da bin ich mir sicher, nicht nur der Trainer. Es ist ... ja irgendwie alles. Die komplette Eintracht befindet sich in einer Art Blase oder Vakuum. Hört man was, dann hört es sich an wie Sprache unter Wasser.

    Ich fürchte, da müsse mer dorsch.

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  2. Der Jerry tut, was er kann.

    Ein schönes Bild: Schwimmbad. Nase zu halten, Atem holen und mit offenen Augen untertauchen. Andere Welt, ganz weit weg von allem. Blau. Druck auf dem Ohr. Langsam, ganz langsam etwas Luft ablassen und es bilden sich sprudelnde kleine Bläschen. Von oben hört man ganz entfernt blubbernde Stimmen, vor sich sieht man merkwürdig verzerrte Gebeine und Leiber, die strampeln und sich wie zeitverzögert vorwärts bewegen. Die Luft geht aus. Schnell mit einem Wutsch nach oben. Die Stimmen jetzt unangenehm laut, aber klare Sicht. Wasser aus den Ohren schütteln. Pruuuust.

    Irgendwie werden wir schon durchkommen - nur wohin, das ist hier die Frage.

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