Dienstag, 30. September 2014

So oder so

„Was für ein geiles Tor, aber…“  So lassen sich die im Internet überlieferten Reaktionen auf den Sieg der Frankfurter Eintracht in Hamburg zusammenfassen. Die Freude über den Sieg war nicht so groß wie man vielleicht vermuten könnte, ja müsste. Stattdessen wird vielerorts beklagt, dass das Spiel der Mannschaft insgesamt wenig ansehnlich und durch eine zu hohe Anzahl von Fehlpässen geprägt, dass nach wie vor kein System erkennbar und das Spiel von eher rumpelfußballartiger Struktur sei. Miesmacher? Dauernörgler? Stopp –  nicht so vorschnell mit dem Urteil. Dies alles hat nämlich seinen Grund – es liegt an dem Internetz.  

Das lässt sich ganz einfach beweisen. Wie zum Beispiel hätten sich die Internet-Kommentare angehört bei Spielen in der Vor-Internet-Zeit, wenn es das Netz  mit seinen Foren und Blogs, Threads und Ritualen denn damals schon gegeben hätte? Wie bei Spielen, die heute zum festen Mythen- und Legendenbestand der Eintracht gehören? Na, wie wohl?  Vielleicht so:

„Unterm Strich steht der vierte Pokalsieg. Ok – darüber freue ich mich natürlich. Aber wenn wir gegen Bochum den Titel nicht geholt hätten -  naja, gegen wen denn dann?“

„Zwei Mannschaften, die den Fußball nicht gerade erfunden haben.“

„Wir hatten einfach das glücklichere Ende für uns.“

„Das war nichts für Fußball-Ästheten.“

„Na ja, da hat der Söldner Detari wenigsten ein bisschen was von dem, was er uns gekostet hat, wieder eingespielt.“

„Ja klar, das war geil am Ende. Aber mal ehrlich: Die Mannschaft hat einfach nur wieder gut gemacht, was sie sich im Lauf der Saison selbst eingebrockt hat.“

„Hacke, Spitze, eins zwei drei  – das hätte auch schief gehen können, was der Norweger da macht.“

„Wenn wir das mal ganz realistisch betrachten, hätte das nie im Leben so weit kommen dürfen. Wir müssen den Sack schon viel eher zumachen.“

"Fußballgott - muhaha, das ich nicht lache."

„Mund abbuzze.“

„ Ich kann mit dieser Euphorie echt nichts anfangen. Das war reines Glück, dass das am Ende nochmal gut gegangen ist.“

„Aufstieg geschafft.  Aber alles andere wäre auch ein Armutszeugnis gewesen.“

„Mal ehrlich – sorry, wenn ich hier einen auf Spaßbremse mache –  30 Minuten am Anfang und 20 Minuten am Ende. Mit der Leistung haben wir in der Bundesliga nichts zu suchen.“

„Ich mach mir da schon längst kein Illusionen mehr. Rumpelfußball a la Bindewald. Ok, die Einstellung hat am Ende gestimmt. Aber das ist nicht der Fußball, den ich in Frankfurt sehen will.“

„Wir haben das Spiel leichtsinnig selbst aus der Hand gegeben.“

„Immer diese Drecks individuellen Fehler.“

„In der Mannschaft stimmt doch was nicht, das hat man deutlich gesehen. Nach dem 3:3 war die Luft vollkommen raus, auch wenn sie sich dann nochmal zusammengerissen haben.“ 

Unterm Strich besteht also noch Hoffnung, sogar für die Saison 2014/15.


Kommentare:

  1. Eine amüsante Zusammenstellung, die nicht unkommentiert bleiben sollte. Und da ein Wahlspruch von mir "mache, net babbele" lautet, fange ich mal damit an. :-)

    In meinem Fall ist das Internet unschuldig - ich war schon immer so: Wenn die Eintracht ein Tor schießt, jubele ich, auch wenn ich vorher geschimpft habe. Und wenn sie gewinnt, freue ich mich natürlich auch dann, wenn der Sieg glücklich und das Spiel schlecht war. An meiner Beurteilung eben jenes Spiels ändern aber weder Sieg noch Niederlage etwas. Was gut war, bleibt gut, was schlecht war, bleibt schlecht. :-)

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  2. Danke, dass du dem "Mach"-Impuls nachgegeben hast :)

    So ähnlich wie du es schilderst, funktioniert es auch bei mir. Auch wenn mein Objektivitätsmodus nicht immer hundert Prozent funktioniert und ich mich schon mal von meiner eigenen Begeisterung mitreißen lasse...

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