Mittwoch, 21. Mai 2014

Schaaf ist Trumpf

Jetzt ist es also endlich raus, obwohl es  - doch, echt wahr! – bereits seit drei Wochen fest steht: Thomas Schaaf heißt der neue Trainer der Eintracht. „Sieeeehst du, hab ich’s dir doch gleich gesagt“, höre ich den lieben Adler-Freund sagen, der mir schon beim letzten Heimspiel gegen Leverkusen Stein und Bein geschworen hat, dass alles unter Dach und Fach ist, Schaaf nach  Frankfurt kommt und Aaron Hunt - hoho, von wegen Synergien - als Zugabe noch obendrauf gepackt wird.

Jetzt habe ich mich natürlich gefragt, was das dann war, das wir  in den  letzten Wochen erlebt haben. Die unendliche Trainersuche? Ha, und jetzt weiß ich es: Das war eine ganz coole, abgefeimte Sache. Einfach mal so eben einen Trainer verpflichten – das kann jeder, sieht man ja in Mainz.  Aber die Eintracht, die hat sich etwas einfallen lassen. Warum? Natürlich um uns, den besten Fans der Liga, die Sommerpause ein wenig zu verkürzen. Und jetzt können wir es ja ruhig zugeben:  Wir haben das natürlich schon längst gewusst.  All die Namen und Geschichten, die da in den vergangenen Wochen kursiert sind – das konnte ja gar nicht wahr sein. Den Roger "Who?" Schmidt z.B., den haben wir ernsthaft doch gar nicht gewollt. Di Matteo und Yakin - das war doch nur, um nochmal ein bisschen internationales Flair ins Spiel zu bringen. Bernd Schuster und seine dringende Bewerbung um den Trainerposten wurde nur deshalb kolportiert, um zu demonstrieren wie begehrt unsere Eintracht ist. Und Michael Skibbe (doch, tatsächlich, auch diesen Namen habe ich in den vergangenen Wochen gelesen und gehört)? Der  Name wurde natürlich nur mal so ein bisschen unter der Hand lanciert, um uns allen einen richtigen Schreck einzujagen.

Auch ansonsten war das meiste sicher maßlos übertrieben, was man in den letzten Wochen so hören konnte. Dass Otto Rehhagel in seinem Trainingsanzug am Riederwald gesichtet wurde, wo er heimlich ein Bewerbungsschreiben in den Briefkasten gesteckt hat, halte ich zum Beispiel für ein Gerücht. Auch, dass zwischendurch angeblich darüber diskutiert wurde, Stepi zu reaktivieren und ein T-Shirt mit der Aufschrift „Trainingslebbe geht weiter“ bereits produziert war – mal ehrlich: Das ist doch dumm Zeuch. Nicht sicher bin ich mir dagegen, ob an der Geschichte, die von Bruno Hübner erzählt wird, nicht vielleicht doch etwas dran ist: Er soll sich eine dunkle Sonnenbrille, einen Trenchcoat und einen Schlapphut besorgt haben, um sich unerkannt mit einem unbekannten Startrainer treffen zu können. Wer das war? Das war so geheim, dass es nicht einmal Bruno Hübner selbst wusste.  Weniger glaubwürdig wiederum ist die Sache mit Bernd Hölzenbein. Es heißt,  er habe einen Anruf von einem Bekannten erhalten, der jemanden kennt, der schon einmal von jemandem gehört hat, der weiß, dass es in der Landesliga Südwest  einen Trainer gibt, der sich für höhere Aufgaben eignet. Die Eintracht-Delegation, die sich  mit dem Eintrachtmobil auf den Weg in den wilden Süden gemacht hat, muss irgendwo vom Weg abgekommen sein. So bleibt es auf ewig ein Geheimnis, um welches unbekannte Trainertalent es sich dabei handelte.

Wie auch immer – all das gehört jetzt zum Glück der Vergangenheit an. Ein bisschen traurig bin ich, dass es deshalb auch keine weitere Überbrückungspresse-Konferenz mehr geben  wird. Ich bin mir nämlich sicher, dass die Eintracht-Verantwortlichen sich da auch noch allerlei Lustiges ausgedacht und zu unserer Unterhaltung vielleicht sogar den einen oder anderen  Überraschungsgast präsentiert hätten: Mein persönlicher Wunschkandidat:  Armin Veh sein Hund – aber der ist wahrscheinlich auch schon in Urlaub.  Auch das lustige Brettspiel „Such den Trainer“, das  es ab nächste Woche im Fanshop geben sollte, wird es jetzt leider, leider erst einmal nicht geben. Na ja, vielleicht gibt es im Shop demnächst stattdessen das multifunktionale Stürmer-Karussell.

Jedenfalls: Uff. Schaaf gut, alles gut.  Sicher, so eine richtig mutige Lösung ist es nicht. Aber ich habe ein gutes Gefühl bei dem Mann, er ist kein Lautsprecher,  steht für eine Fußballphilosophie, die mir gefällt und wirkt bei aller Ernsthaftigkeit doch auch ein kleines bisschen verschmitzt. Mit dem Namen Schaaf kann man außerdem  fast so lustige Wortspiele machen wie mit o Veh, o Veh: Das Schaf im Adlerpelz. Mit dem bringen wir unsere Schäfchen ins Trockene. Außerdem passt  Scha(a)f natürlich perfekt zu Schur.

Eines möchte ich nicht unerwähnt lassen: In der Nacht von Dienstag auf Mittwoch habe ich nämlich  vom neuen Eintracht-Trainer geträumt. Ich war im Waldstadion. Riesenstimmung (logisch).  Fahnenmeer. Jubel ohne Ende. Ich wusste erst gar nicht, was los war. Dann fiel mein Blick auf den Videowürfel. Tatsächlich:  Ein Champions League Spiel. Eintracht Frankfurt – Real Madrid 2:0 war da zu lesen. Auf dem Rasen gab unser Trainer gerade ein Interview. Er hatte mir den Rücken zugewendet.. Aber dann drehte er sich um, jetzt, jetzt – aber bevor ich erkennen konnte, wer es war, wachte ich auf. Im Nachhinein bin ich mir ziemlich sicher: Es war Thomas Schaaf ,-)

Kommentare:

  1. Sehr schön geschrieben und geträumt, wie immer!
    Danke dafür.
    Lassen wir uns überraschen. Gerne positiv.

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  2. Hurra - ein Kommentar :) - vielen Dank für das nette Feedback. - Ja, lassen wir uns überraschen - ich bin bereit :) - es müssen ja nicht immer Wunder sein - mutiger, selbstbewusster Fußball, ein glückliches Händchen beim Nachwuchs, bei der Integration neuer Spieler, ein Neuaufbau fürs mittelfristig dauerhaft im oberen Drittel Mit-Dabei-Sein.... das wär's (oder fällt das auch schon unter Träumen?)

    Einträchtlich-sonnig, K.

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  3. Kann ja keiner ahnen, dass hier was geschrieben wurde ;-). Aber schön zu lesen, sehr schön.

    Ich bin froh, dass es Thomas Schaaf geworden ist. Wusste ich's doch, gell *gg*.

    LG Nicole

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  4. Ei, musstu kucken ,-)) Bemühe mich, dass es wieder regelmäßiger wird und sich das Vorbeischauen auch lohnt :D

    Ja, du wusstest es. Und Thomas wusste es. Nur Bruno, der wusste es noch nicht *g.

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  5. Ich wusste nichts. Wie immer. Und wie fast alle anderen. Bruchhagen hat also Recht behalten. Und sich durchgesetzt.

    Lieber Gruß vom Kid

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