Donnerstag, 27. März 2014

Back in the saddle again

Was für ein wunderbarer Abend war das gestern, draußen im Wald. Es war ein bisschen wie nach Hause kommen. Nicht nur die Mannschaft, auch wir haben uns Europa aus den Knochen (wenn auch nicht aus dem Herz) geschüttelt. Die Beine fest auf dem Boden, der Kopf frei, das Herz weit und mutig. Fußball, einfach nur Fußball – auf dem Platz und drumherum. Konzentriert, zuversichtlich, kämpferisch, selbstbewusst.

Dem verdi-Streik sei Dank bin ich früher als sonst los gefahren, komme verblüffend gut durch und stehe  bereits knapp eineinhalb Stunden vor Anpfiff auf dem Parkplatz. Hallo, hallo bei Black and White und auf dem Anmarsch zum Stadion. Ein Sitznachbar von Nicole - ein Bär von einem Mann - sorgt für allgemeine Erheiterung: Er trägt zur Feier des Tages eine rosafarbene Eintrachtbommelmütze auf dem Kopf. Eintauchen in die Atmosphäre rund ums Stadion.  Erhasche noch die letzten Minuten der Waldtribüne, sitze auf den Treppenstufen vor  unserem Block, schaue in den Himmel, freue mich am Gewusel, bin erwartungsfroh und zuversichtlich.  Beim Europalied der gewohnte Schwenk durch die Blocks, singende und lachende Gesichter, Schals, Fahnen und da - in Großaufnahme - die rosa Eintracht-Bommelmütze. Hihi - und dann geht es los.

Keine Sekunde hatte man das Gefühl, dass da ein potenzieller Absteiger auf dem Platz steht. Nein, kein überragendes, aber ein gutes, ein sehr gutes Fußballspiel, mit Spaß am Fußball spielen, mit Höhen und Tiefen, genialen Momenten, mit Bibbern bis zum Schluss, mit einer Mannschaft, die gut auch mit einem Tor mehr hätte führen können, das frühe Tor mit Zähnen und Klauen bis zum Schlusspfiff verteidigt und am Ende sich und uns belohnt. Vier Minuten Nachspielzeit. VIER Minuten? Hilfe! Ach was: Herz in die Hand. Wir bringen das Ding durch. Drei Punkte. Wow. Drei. Punkte.  

Menschenskinders, was waren das für feine Spielzüge, die wir zwischendurch gesehen.  Der Bilderbuchangriff, der fast, fast, fast zum 2:0 geführt hat. Sebi Jung und Stefan Aigner, die über rechts den Ball wieder laufen lassen wie anno 2013.  Tranquillo Barnetta und Martin Lanig, die unermüdlich das Spiel nach vorne ankurbeln. Carlos Zambrano und Alexander Madlung (ja, doch, ich sehe es ein. Ich habe mich geirrt – gut, dass wir ihn geholt haben), die sich immer besser aufeinander ein pendeln. Hellwach, aufopferungsvoll. Die immer doch noch ein Bein dazwischen bekommen, sich ins Spiel nach vorne einschalten. Marco Russ, der überall Löcher stopft. Joselu, der sich anbietet, immer den direkten Drang zum Tor hat – und weite Wege mit zurück geht. Johannes Flum, der zwar den einen oder anderen Querschläger, aber auch viele feine Momente hat und unermüdlich rackert. Kevin Trapp, Mensch, war für ein Torwart.

Eine Mannschaft, die für- und miteinander gekämpft hat und: Einer dieser Tage, an denen ich es besonders bedaure, dass es den „Spieler der Stunde“ hier im Blog nicht mehr gibt. Trotz großartiger Leistung aller beteiligter Akteure, wäre das Ergebnis, so denke ich, eindeutig: Constant Djakpa. Ein unermüdliches Energiebündel, pausenlos in Bewegung, auf der linken Seite ein ständiger Unruheherd, unermüdlicher Ausputzer,  Ankurbler, der sich sogar im 1:1-Dribbling im gegnerischen Strafraum durchsetzt. Der wuselt, schlackert, rennt, fällt, aufspringt, wirbelt, nachsetzt, Bälle schleppt, holt, flankt, Haken schlägt und sogar humpelnd immer noch Vollgas gibt. Die gefürchteten Halbfeldflanken? So what, wenn da mal die eine oder andere daneben geht?

Wunderbare Szenen nach dem Abpfiff.  Das Stadion noch Minuten nach dem Abpfiff fast komplett gefüllt. Wir applaudieren uns gegenseitig – wir der Mannschaft, die Mannschaft uns. Marco Russ, der Djakpa im Arm hält und ihm den Kopf tätschelt. Alexander Madlung, der nach dem Feiern in der Kurve ganz langsam, über den Rasen zurückläuft, stehen bleibt  und noch einmal ins Stadionrund schaut, fast staunend. Ja, das kennt er aus Wolfsburg so wahrscheinlich nicht.

Abstiegsgespenst erfolgreich vertrieben.  Und jetzt wollen wir doch mal sehen, was sonst noch so geht ,-)




Kommentare:

  1. Ja Kerstin so war es wie Du es beschrieben hast.Wir sind rechtzeitig wieder in der richtigen Spur.
    Es war ein schöner Abend-ein Adlerabend

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  2. Magique :). Toller Fußballabend. Das ist Fußball, so wie wir das brauchen. Das tut gut.

    Schön geschrieben Kerstin.
    So ein bisschen Euphorie könnte ja wieder Einzug erhalten. Wir hauen zur Abwechslung mal eine geile Rückrunde raus. Das wäre zu schön.

    Am besten finde ich, dass man inzwischen sicher sein kann, dass diese Mannschaft sich nicht so leicht aus der Bahn werfen lässt. Die lassen sich nicht hängen, kommen immer wieder. Und immer besser.

    LG Nicole

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  3. Ich komme erst jetzt - nach der knappen, späten und unglücklichen - Niederlage in Wolfsburg - zum Lesen deines Eintrags, Kerstin, aber was verschlägt's? Es stimmt ja alles immer noch, was du geschrieben hast. Natürlich ist auch Trapp weiterhin ein vortrefflicher Torwart, selbst wenn er heute nicht seinen allerbesten Tag erwischt hat. :-)

    Aber wer drei Mal innerhalb von acht Tagen antritt, dabei auf wichtige Stammspieler verzichten muss, und doch jedes Mal eine überzeugende kämpferische Leistung zeigt und sechs von neun Punkten holt, hat sich Lob und kaum Tadel verdient.

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  4. Gute Güte, ich humpel mal wieder übelst hinterher. Was aber dem Spaß bei der Lektüre überhaupt keinen Abbruch tut. Das einträchtliche Leben rauscht gerade ein bisschen an mir vorbei, so wie mein Nachbar Barnetta hin und wieder mit seinem flotten Automobil :-)

    Per jetzt würde ich sagen, dass wir ja doch Rückrunde können, auch wenn ich immer noch nicht tiefenentspannt bin. Und vorsichtshalber habe ich dann wild entschlossen Augsburg gebucht. Am liebsten, um ein kleines bisschen zu feiern, notfalls auch mit vorangehendem full support.

    Morgen wieder im Sattel, die jüngsten Leistungen lassen Zuversicht aufkeimen, ich freu mich drauf.

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  5. Lieber Kid, liebe Sarroise - nicht ihr "humpelt hinterher" - ich bin das. Bin in den letzten Tagen wenig zum Schreiben gekommen - deswegen umso herzlicheren Dank fürs Vorbeischauen und Kommentieren.

    @ Nicole: Bis gleich!
    @ Happy Adler: Keine Panik heute - wir packen das!

    Einträchtlich, K.

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