Donnerstag, 30. Januar 2014

Der Lauf der Dinge: Eintracht gegen Bayern - die letzten zehn Begegnungen im Schnelldurchlauf

Spiele gegen die Bayern mag ich nicht, hab ich noch nie und in keiner Situation gemocht. Immer dieser blöde Hype, der entweder in die eine oder andere Richtung geht: "Spiel des Jahres" oder "Unwichtigstes Spiel des Jahres" - gemeint ist immer das gleiche. Sei's drum. Schauen wir sie uns einfach mal an, die Chronologie der Ereignisse.  Mit Hilfe der Spielberichte im Eintracht-Archiv und mit meinen eigenen Blogbeiträgen habe ich mich mal an den letzten zehn Begegnungen entlanggehangelt.

Saison 2007/2008


Das Hinspiel findet Anfang November in München statt. Die Bayern spielen -  huch, auch damals schon? - mit Ribery. im Tor steht (war das seine letzte Saison?) Olli Kahn, Trainer ist Ottmar Hitzfeld. Mit 27 Punkten stehen die Bayern an der Tabellenspitze. Die Eintracht hält sich wacker mit 16 Punkten auf Platz 9.  Kyrgiakos, Streit und Meier fallen aus. Friedhelm Funkel  setzt hinten auf eine Dreierkette (Russ,  Galindo, Chris) und baut davor auf eine eher defensiv ausgerichtete Fünferreihe. Christoph Preuß ist dabei, (seufz),  Markus Weissenberger und Christoph Spycher, auf der linken Außenbahn Inamoto, rechts Patrick Ochs.. Vorne – ah, stimmt, damals gab es noch Doppelspitzen – sollen es Ioannis Amanatidis und Naohira Takahara schalalalala richten. Lukas Podolski, Bastian Schweinsteiger,  Miro Klose und Co belagern das Tor der Eintracht. Aber dort steht Oka Nikolov und der will und will sich heute nicht überwinden lassen. Oka ist heute für  den grippekranken Markus Pröll eingesprungen ist. 34 Flanken in den Strafraum und 38 Torschüsse werden am Ende gezählt. Oka hält alles – auch das, was eigentlich nicht zu halten ist. Am Ende steht ein 0:0.


Die Bayern haben sich oben inzwischen abgesetzt und ziehen mit zehn Punkten Vorsprung vor Bremen einsam ihre Kreise. Die Eintracht hält sich mit derzeit 42 Punkten auf Platz 8. Es ist der 29. Spieltag. Die bislang so erfolgreiche Saison droht zu kippen. Das letzte Heimspiel gegen Nürnberg wurde verloren, auch auswärts in Hannover blieb die Eintracht punktlos.  Gegen die Bayern soll heute ein großer Sieg gefeiert werden.  Der 16. April 2008 ist ein Mittwoch. Flutlicht. Bohay. Jubel. Fahnenmeer. Die Eintracht geht (Kopfball Benni Köhler nach Flanke Ochs) in der 29. Minute mit 1:0 in Führung und verpasst es kurz vor der Pause (Fenin wuselt sich im Strafraum durch, legt ab auf Ama, der verzieht) auf 2:0 zu erhöhen. Tja. Da konnte man dann schon ahnen, dass es am Ende kommen würde, wie es dann auch gekommen ist: Die Bayern gewinnen  durch Tore von van Buyten und zwei Mal Luca Toni.  Damit sind unsere  internationalen Träume fast schon begraben. Mit dem Sieg im letzten Heimspiel gegen Duisburg  können wir dann immerhin noch die intern gesetzte 45 Punkte-Hürde  knacken und landem am Ende der Saison auf Platz 9. Hurra.

Saison 2008/09


In der letzten Funkelsaison  tritt die Eintracht - wieder an einem Mittwochabend - zunächst im Waldstadion gegen die Bayern an.  Es ist der 10. Spieltag. Man kann nicht sagen, dass wir so richtig gut in die Saison gestartet sind.. Das ausgefallene Spiel gegen Karlsruhe geht als „Madonna-Gate“ in die Vereinsgeschichte ein.  Auch die Pokalheimspielniederlage gegen Rostock und der verschossene Caio-Elfer liegen zu diesem Zeitpunkt bereits hinter uns.  Mit 9 Punkten dümpeln wir auf Platz 12 grade mal 2 Punkte vor dem Abstiegsplätzen. Aber wir haben Glück: Auch die Bayern sind im Jahr des Klinsmanns nicht so besonders wohlgemut. Für einen Sieg im Waldstadion reicht es trotzdem.  Die drei Bayerntreffer – zunächst ein Eigentor von Demichelis, dann die Trefer von Klose und Ribery – fallen innerhalb von zehn Minuten. Die Eintracht – mit Toski, Fenin, Üüüüümit und Liberopoulous – hatte bis zur Halbzeit ein 0:0 gehalten und geht – ja, genau! – mit erhobenem Haupt vom Platz. Die Bayern festigen ihren vierten Platz. Von der Spitze grüßt der traditionsreiche Aufsteiger Hoffenheim (mit Trainer Rangnick  und späterem Torschützenkönig Vedad Ibisevic).


Ein Spiel, das gute Chancen hat, in der Top-Ten, na, sagen wir: Top Twenty – da gab es in den letzten Jahren schon eine ganze Reihe - der gruseligsten Spiele der jüngeren Vereinsgeschichte zu landen. Die inzwischen Buddha-losen Bayern sind gerade mit 0:4 gegen Barca aus der Championsleague geflogen, der Eintracht steht das Wasser bis zum Hals. Die Stimmung im und ums Waldstadion ist beklemmend. Es ist die Zeiit der Caaaaaaio- und Funkel-raus-Querelen. Mir krampft sich jetzt noch der Magen zusammen, wenn ich an diese Zeit denke. Beste Voraussetzungen also, um in München sang- und klanglos mit 0:4 unterzugehen. Ein apathisches, gräusliches Spiel. Die Bayern fiedeln uns vor und freuen sich nicht, wir werden vorgeführt und ärgern uns nicht. „Die unwirklichste Gala in der Geschichte der Bundesliga“  schreiben die 11 Freunde. Am Ende der Saison landet die Eintracht mit sage und schreibe 33 Punkten auf Platz 13. Zum Glück ist der Klassenerhalte bereits – hoho – souverän vor der letzten Heimniederlage gegen den HSV gesichert. Es war das letzte Spiel nach 5 Jahren FF. Die Eintracht steht erklärtermaßen  vor dem Aufbruch in eine neue Ära.

Saison 2009/10  


Neue Saison, neues Glück. Die Eintracht wird inzwischen von Michael Skibbe, die Bayern werden von Louis van Gaal trainiert.  10. Spieltag. Wir stehen auf Platz 8, die Bayern nur knapp vor uns - auf Rang 6. Am Mittwoch vor dem Spiel haben sie in der Champions League gegen – hört, hört – Girondins Bordeaux verloren und der Kicker meint, dass es für die Bayern „sogar“ gegen die EIntracht schwierig wird. Na sowas aber auch. Am Ende dann leider doch nicht. Zwar geht die Eintracht durch Meier in der 60. Minute in Führung – am Ende ist es eines der wenigen Spiele, bei dem wir (keine Regel ohne Ausnahme) – trotz Meier-Führung – verlieren.  69. Minute: van Buyten, 88. Minute Robben.

Vier  Tage später kommt es richtig dick. Im Pokal-Achtelfinale treffen wir wieder auf die Bayern, dieses Mal im Waldstadion. 0:4.  Ein absolut frustrierendes Ergebnis. Chancenlos. Bäh. Aber die Choreo war super. 

Original rotundschwarze Zeichnung vom 28. Oktober,
 vor dem Pokal-Spiel.


Die beiden Depri-Erfahrungen der Hinrunde stecken uns noch in den Knochen. Und jetzt das: Eines dieser Spiele, die man nie vergisst und an die man sich auch Jahre später noch in Details erinnert. Es war das Spiel, in dem  es fast schon so aussah als sei die Karriere von David Alaba beendet, bevor sie angefangen hat. Die Bayern sind inzwischen wieder an der Tabellenspitze angekommen, die Eintracht mit steht mit 38 Punkte auf Platz 8 und hat mit 6 Punkten Rückstand noch Blickkontakt mit den Europacup-Plätzen.  Schon früh, in der 7. Minute, geht der FCB durch Miro Klose in Führung, aber die Eintracht will sich nicht unterkriegen lassen. Dieses Mal nicht. Nix von wegen „mit hoch erhobenem Haupt“ und „achtbar geschlagen“.  Wir wollen dieses Spiel gewinnen. Marcel Heller macht eines seiner besten Spiele im Eintracht Trikot.  In der 75. Minute wechselt Skibbe Fenin (für Caio), in der 87. Minute kommt Juhvel Tsoumou für Christoph Spycher. Juhvel  fängt, kaum im Spiel, einen fatalen Rückpass von David Alaba ab, Butt hat den Ball hat ihn nicht, wie auch immer, er ist drin. Zwei Minuten später setzt sich Fenin rechts wiederum gegen Alaba durch, zieht in den spitzen Winkel, der Ball prallt vom Pfosten ins Tooooooooooooooooor.  Der helle Wahnsinn.  Nach dem Spiel im Stadion eine abgedrehte, durchgeknallte, hüpfende Stimmung. Eintracht-Wechselgesänge hallen durchs Stadion, keiner will gehen. "Das war der Moment, in dem ich gedacht habe, dass ich es nicht aushalte, das Glück des Augenblicks, und dass ich vielleicht, jetzt und hier und gerade in diesem Moment verrückt werde", schrieb ich damals in meinem Spielbericht hier im Blog.

Am Ende der Saison steht die Eintracht mit 46 Punkten auf Platz 10.

Saison 2011/12


Wir schreiben das Jahr 2 im Zeichen Skibbes.  Ioannis Amanatidis findet, dass bei der Eintracht das Leistungsprinzip außer Kraft gesetzt ist. Michael Skibbe glaubt, andere Gründe zu haben, aus denen Ama nicht mehr mitspielen darf.  Die Bilanz der Eintracht bisher kann sich sehen lassen. Es ist der 14. Spieltag,  wir haben 20 Punkte und stehen auf dem 7. Tabellenplatz. Bei den Bayern gibt es für uns jedoch auch in diesem Jahr nichts zu holen. Die Führung von Tymoshchuk in der 29. Minute kann Lincoln in der 33. Minute (quaaaaatsch, Kerstin -  nicht Lincoln, den haben wir ja dann doch nicht geholt ...)  also: kann Gekas in der 33. Minute ausgleichen, aber in der zweiten Halbzeit machen Müller und Gomez kurzen Prozess. In der 87. Minute darf Ama kurz nochmal zu einer Stippvisite auf dem Platz vorbeischauen.  Händedruck mit Skibbe. Sag doch noch einmal einer, dass da nicht alles in Ordnung ist. Tymoshchuk macht das 4:1. Aus. Die bislang positive Stimmung erhält erste  Risse. Das böse Wort vom „Trainerdarsteller“ macht die Runde.  Drei Spieltage später beendet die Eintracht  trotzdem mit einem 1:0 gegen Dortmund die beste Hinrunde seit hundert Jahren. 26 Punkte. Platz 7. Wow.


Was soll ich sagen? Augen zu und durch: 31. Spieltag. Die Eintracht hat in der Rückrunde bisher 7 Punkte geholt.  Satte zwei davon gehen auf das Konto von Messias Daum, der seit 3 Spieltagen auf der Eintracht-Bank sitzt.  Heute gilt es!  Mit einem Dreier wäre der Klassenerhalt so gut wie sicher.  1:0 in der 54. Minute durch Sebastian Rode.  Nur noch knapp zehn Minuten. Es muss. Es wird. Bitte. Bitte.  82. Minute: Gekas. Frei vor dem Tor. Er muss ihn nur reinschieben. Einfach nur. Reinschieben. Er tut es nicht. 89. Minute: Foulelfmeter. Gomez  tritt an. Er trifft. Mitten ins Herz. Ausgleich. Abpfiff.  Es war der letzte Punkt, den die Eintracht in dieser Saison geholt hat.

2011/12

***Bayernmäßig keine besonderen Vorkommnisse***

2012/13


Wir sind wieder da. Aber so was von. 10. Spieltag. 20 Punkte. Platz 3.  Aber ....heeey...allmählich scheint der Elan jetzt doch ein wenig zu verpuffen. In Gladbach und in Stuttgart haben wir verloren, zu Hause gegen Fürth am vergangenen  Wochenende gab es auch nur ein mageres Pünktchen. Jetzt also fahren wir zum Spitzenspiel nach München.  Wir sind wieder wer. Die Bayern haben „Respekt“ vor uns, was sie aber nicht daran hindert, vor dem Spiel  bei den Einlasskontrollen punktuelle Ganzkörperkontrollen in extra aufgestellten Zelten durchzuführen.  Die Eintracht ist überlegen, kombiniert, erspielt sich Torchancen. Leise Pfiffe im Rund. Kurz vor der Pause trifft  - nein, nicht Meier - Ribery.  Auch nach der Halbzeit das gleiche Bild. Die Eintracht bleibt die überlegene Mannschaft. Im Zweikampf mit Demidov stürzt Schweinsteiger im Strafraum und erhält einen kann-man-muss-man-aber-nicht-geben Strafstoß. 2:0. Mein Fazit damals: "Kein Spiel des Jahres, sondern ein ganz normales, gutes Fußballspiel, das so oder so hätte ausgehen können. Die Eintracht hat verloren. Scheiße."  



Die Eintracht weiterhin  im Höhenflug. Europacup, Europacup in diesem Jahr.  Da wäre es doch an der Zeit auch mal wieder gegen die Bayern…?  Meier und Schwegler fehlen. Armin Veh gibt sich illusionslos „Normalerweise verlieren wir.“ Und er behält recht. Es ist einmal mehr so ein „fast“, „beinah“ und „eigentlich“ Spiel, das wir hätten gewinnen können, aber am Ende eben doch verlieren. Der Schmerz hält sich – im Gegensatz zum letzten Heimspiel – dieses Mal in Grenzen.  Die Meisterfeier der Bayern im eigenen Stadion hätte ich mir trotzdem gerne erspart.




Saison 2013/14


Jetzt muss ich doch wirklich kurz nachdenken, wie das in dieser Saion war, im Hinspiel gegen die Bayern.  Ungefähr so:  Zweiter Spieltag. Zum Saisonauftakt haben wir in Berlin mit 6:1 – in Worten sechs zu eins – verloren. Du liebes bisje. Damit hatte keiner gerechnet und alle, die nach der grandiosen letzten Saison vor einer schwierigen Saison gewarnt haben, sehen sich bestätigt.  Ist es richtig, dass wir unser System umgestellt haben?  Haben wir das Fußballspielen verlernt? Uns allen ist der Schock in die Glieder gefahren, aber hey, wird schon werden.  Was auch immer diese Saison passiert, über uns scheint die europäische Sonne und die überstrahlt alles. Bloß nicht Abschlachten lassen, heißt die Devise  Erstmal das schwere Auftaktprogramm hinter uns bringen und dann sehen wir weiter. Das Spiel gegen die Bayern ist erstaunlich munter, trotzdem führen die Münchener schon früh  - 13. Minute, Mandzukic. Neuzugang Schröck überzeugt  mit Einsatz und Kampfesmut rechts hinten gegen Ribery.  Nachspielzeit. Pass von Aigner auf Meier, der ist  frei vor dem Tor, Dante und Boateng nehmen ihn in die Zange, Meier strauchelt, versucht sich auf den Beinen zu halten, fällt – Neuer hat den Ball. Elfer? Eigentlich ja. Aber, wehe wenn Gagelmann pfeift. Das Spiel ist aus. Wieder nichts Zählbares.

1. FC Bayern München - Eintracht Frankfurt
1. Februar 2014
???

Sagen wir mal so: Die Bilanz ist durchaus verbesserungsfähig. Und meistens kommt es sowieso anders als man denkt. Oder umgekehrt. 

Kommentare:

  1. Um einen alten Filmtitel zu variieren: Eine "Chronik der traurigen Ereignisse." Aber sehr schön und mit viel Empathie in den Blog und hoffentlich irgendwann auch aufs Papier gebracht. Auch die Zeichnung ist toll. Was sich da angesammelt hat, gehört eigentlich zwischen zwei Buchdeckel!. Und was das kommende Spiel angeht: Es bleibt wie immer die Hoffnung; zumindest die, dass wir unsere Haut teuer verkaufen. Gruß, C.

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  2. Eine "Chronik der traurigen Ereignisse." Ja, das ist sie. Für mich besonders, denn eines dieser Spiele habe ich nicht gesehen, weil es der traurigste Abend meines Lebens war.

    Und auch sonst stimme ich Celtix zu.

    Lieber Gruß vom Kid

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  3. Eine schöne Zusammenfassung - wenn es denn nicht so traurig wäre.

    Ich habe mir erlaubt, diesen Thread auf Blog-G zu verlinken, damit mehr menschen in den Genuss kommen.

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  4. Danke fürs Lesen, Kommentieren und Verlinken - auch an den unbekannten Verlinker in Facebook. Na dann, mal sehen wie das nächste Kapitel aussieht...

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  5. Du liebes bisje.... Das nächste Kapitel, nicht schön.

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