Donnerstag, 12. September 2013

Kleines Fußball-ABC - Heute "W" wie "Wandstürmer"

Wandstürmer, der (m), pl. Wandstürmer, die: Stürmer, „der oft mit dem Rücken zum gegnerischen Tor steht, die Bälle annimmt, auf die Außenverteilt oder für die nachrückenden Spieler prallen lässt.“  Im Unterschied zum → Stoßstürmer,  der Tore schießt und/oder köpft.  Ähnlich wie der → Stoßstürmer wird auch der → Wandstürmer gelegentlich synonym mit dem Begriff → Mittelstürmer verwendet.  Bsp.: „Bei Barca gab es nicht einmal mehr den einen klassischen Mittel- oder Wandstürmer.“ , was  in gewisser Weise erstaunt, weil der klassische Mittelstürmer eigentlich ohnehin  bereits ausgestorben ist und einen Nachfolger im  → Stoßstürmer  gefunden hat.  Bsp.: „Anstelle eines klassischen Mittelstürmers agiert ein Stoß- oder Wandstürmer.“  Gelegentlich wird der Begriff → Wandstürmer eher despektierlich verwendet. Vgl.: „Es gab das Kopfballungeheuer, den Billigbomber oder den Wandstürmer.“ 

Frühe Formen des Wandstürmers sind bereits im Jahr 2007 im Netz beurkundet. Bsp.: „Kuranyi ist ein Wandstürmer.“  Möglicherweise aber auch nur vielleicht.  Als Erfinder des Begriffes gilt → Ottmar Hitzfeld, obwohl eigentlich → Urs Siegenthaler den Erstverwendungsanspruch geltend machen kann. In deren Sinn kann der Wandstürmer Bälle verarbeiten, mit Fuß und Kopf und bleibt im Zweikampf stehen, ist also  - „mal passend, mal prallend, nie fallend“ - eine Schrankwand.  Bsp.: Miroslav Klose, Luca Toni, Mario Gomez, Kevin Kuranyi, Mike Hanke u.v.m. Vgl. hierzu auch (unl.):  Ottmar Hitzfeld, der als Schweizer Nationaltrainer den Wandstürmer nutzt, um gegen die Spanier zu bestehen. 

Der Durchbruch des Wandstürmers kann gleichgesetzt werden mit dem Einzug des System 4-2-3-1 oder 4-5-1. Dort wird mit einem einzigen, sogenannten Wandstürmer gespielt . Dafür gibt es gute Gründe, denn (Zit. Urs Siegenthaler): „Heutzutage braucht man mehr denn je  Stürmer, die die Bereitschaft haben, auf den Beinen zu bleiben.“  Vgl. hierzu auch (ugs) Er steht wie eine Wand.

Im System von → Borussia Dortmund (in der Regel  4-2-3-1 aka „Das System Klopp“ ) ist der Wandstürmer unerlässlich.  Bsp.: „Fakt ist, dass Dortmund ein System spielt, welches einen Wandstürmer benötigt.“. Ähnlich und trotzdem ganz anders auch beim → 1. FC Köln,  Bsp.: „Das Spielsystem verlangt einen Wandstürmer.“  Im System des FC Barcelona, mit dem der BVB nicht selten verglichen wird,  ist der Wandstürmer hingegen bereits überwunden. Dort gibt es stattdessen → Lionel Messi.

Wandstürmer gewinnen  zunehmend Bedeutung auch als → Back-up Stürmer, die als → Schattenknipser dann zum Einsatz kommen, wenn die Stammbesetzung im Sturm ausfällt oder bereits ein hinlänglich deutlicher  Spielstand erreicht ist.  Sie sind dann junge Talente (Bsp.: Julian Schieber) oder aber Spieler, die ihre besten Zeiten als → Wandstürmer bereits hinter sich haben (Bsp.: Lucas Barrios, Erin Derdiyok). Vgl. hierzu vereinzelt auch: „Modell Pizarro“ (nein, nicht das Auto und auch nicht die Polo-Reit-Weste!)

Ein → Wandstürmer muss auch etwas mit flachen Anspielen anfangen können und nicht nur mit den Beinen, sondern auch mit dem Kopf pfeilschnell sein. Wenn er dies nicht mitbringt, tut er zwar möglicherweise so als wäre er ein Wandstürmer, ist aber keiner und wird deshalb in Gänsefüßchen gesetzt, ist also ein „Wandstürmer“. Bsp.: De Jong 

Einigkeit besteht darüber, wo der Wandstürmer auf dem Feld platziert ist: Er steht in der Mitte und ist dort ein „Referenzpunkt“, ein „Fixpunkt in der Spitze“,  der dabei hilft das Spiel „auf zweite Bälle zu forcieren“.  Vgl. hierzu auch:  „Die Mitspieler wissen, dass er da ist und dass er den Ball nicht kaputt macht, wenn er ihn kriegt.“Er wird mit langen Bällen angespielt, behauptet die Bälle und spielt dann einfache Pässe in  den den Zwischenlinienraum, vulgo Schnittstelle. Er kann Zuspiele nach hinten prallen lassen oder in die Spitze weiter  leiten. Bsp.: Adam Szalai  Trotzdem ist unklar, ob der → Wandstürmer technisch besonders versiert sein sollte. Oder eben gerade nicht. Im Zweifelsfall ist er entweder ein „moderner Wandstürmer“  (Bsp.: Robert Lewandowski) oder aber ein „klassischer Wandstürmer“ (Bsp: Didier Drogba (Galatasaray Istanbul)  Julian Schieber (Borussia Dortmund), Florian Gebel (SC Fortuna Köln II).  

Der moderne → Wandstürmer ist filigran und beweglich. Bsp.: Robert Lewandowski. Er muss sich  „mit dem Rücken zum Tor gegen zwei oder drei Leute durchsetzen“ können.  Im Unterschied hierzu der „klassische Wandstürmer“, dessen Aufgabe darin besteht, den  Ball mit dem Rücken zum Tor klatschen zu lassen. Bsp.:  "Er muss „richtig stehen und das Ding über die Linie drücken.“ Bsp.:  Florian Gebel (90 kg) , SC Fortuna Köln II .  Der →klassische Wandstürmer lässt sich „anspielen wie ein Garagentor“ und zieht dann „die Keule durch“. Bsp.: Jan Koller, Luca Toni.

Vereinzelt wird der →Wandstürmer gleichgesetzt  mit dem Straßenfußballer. Bsp.: Mohammed Zidan   

Andere Formen des →Wandstürmers sind:  Der mannschaftsdienliche Wandspieler, Bsp.:  Eren Derdiyok, der torgefährliche Wandstürmer, der optimale Wandstürmer (Bsp.: Robert Lewandowski), der echte Wandstürmer (Bsp.: Claudio Pizarro). Vgl. in ähnlichem Sinne auch: Der mitspielende Wandstürmer (Bsp.: Lewandowski, Pizarro) und der spielstarke Wandstürmer Bsp.: Mario Mandzukic, der -  je nach Sichtweise – aber gar kein Wandstürmer ist, weil er unter Bedrängnis zu wenig Ballkontrolle zeigt. Vgl.hierzu auch:   → Kießling, Stefan.  Manche Stürmer sind als Wandstürmer „eigentlich ganz ordentlich“, fast schon klassisch oder ideal , müssen sich aber stattdessen  als Stoßstürmer bewähren. Vgl.: Dieumerci Mbokani (ehemals: VFL Wolfsburg, jetzt; Dynamo Kiew).

Da trifft es sich gut, dass der  → Wandstürmer  – ähnlich dem Stoßstürmer – ein körperlich robuster Spieler ist, der in vorderster Front bestehen kann. Er muss dennoch nicht groß (Bsp.: Hrubesch), auch nicht kräftig (Bsp.: Jancker), sondern lediglich stabil oder zumindest schnell sein.  Umgekehrt  gibt es körperlich robuste Spieler, die taugen als → Wandstürmer höchstens aufgrund ihrer Statue. Bsp.: Olivier Occéan, Mo Idrissou. Vgl. in ähnl. Sinn:  Jan Huntelaar, der zwar groß und kräftig ist, aber „zu langsam, zu wenig in der Lage, den Ball zu halten“, dementsprechend kein Wandstürmer, „der die Bälle zu nachrückenden Leuten prallen lässt.“ Auch ein kleiner Spieler kann als → Wandstürmer eingesetzt werden, in der Regel aber sinnlos, weil er dann zwar mit dem Rücken zum Tor steht, aber dort zugestellt wird.  Bsp.:  Jimmy Hoffer 

Dementsprechend kann ein  Spieler, der groß  und kräftig ist, ein Stoßstürmer sein (Bsp.: Olivier Occéan), er kann ein Wandstürmer sein  (Bsp.: Olivier Occéan), beides (Bsp.: Olivier Occéan) oder keins von beidem (Bsp.: Olivier Occéan).

Ein → Wandstürmer muss in der Lage sein „läuferisch und in den Zweikämpfen mit den Innenverteidigern“ alles rauszuholen.  Der Wandstürmer agiert vor der → hängenden 9, ist mithin der einzige Stürmer. In manchen Fällen ist der Wandstürmer gleichzeitig hängender Stürmer und Wandstürmer = „kann das Kombinationsspiel gut unterstützen und auch als Wandstürmer den Ball gut behaupten und ablegen für den entscheidenden Pass in die Spitze.“ Häufig fehlt dann aber leider die Torgefahr in der Spitze: Bsp.: Claudio Pizarro (noch während seiner Zeit bei Werder Bremen). 

Mario Gomez, der ein „mitdenkender Stoßstürmer“  ist, ist kein Wandstürmer: „Dazu fehlt ihm das Feingefühl.“ Andererseits ist er „der Wandstürmer der Nation“, was man vor allem daran merkt, dass er die Bälle regelmäßig aus zwei Metern über das Tor drischt.“ Gut für den FC Bayern, dass er, wenn das neue Pepe-System erst mal flutscht, „selbst ohne den starken Wandstürmer Gomez“ in der Lage sein wird, die Liga aufzumischen. 

Beispielhaft ist → Rob Friend, der zwar Stoßstürmer, aber eben auch ein "echter so genannter Wandstürmer" ist und bereits im Jahr 2007 (damals noch  bei → Borussia Mönchengladbach) von Thomas Wark (anlässlich des Zweitrunden-DFB-Pokal-Spiels Bayern München – Borussia Mönchengladbach, Endstand 3:1) als Beispiel für den „von Hitzfeld propagierten neuen Typus des Wandstürmers“ angeführt wurde. Dumm ist es, wenn die Mitspieler von den Qualitäten des Wandstürmers nicht überzeugt sind und ihn „im Spiel links liegen lassen wie wir damals den dicken Mitschüler im Sportunterricht.“ Bsp.: Rob Friend während seiner Zeit bei Hertha BSC, wohin gegen Rob Friend während seiner Zeit bei → Eintracht Frankfurt kaum auf dem Platz stand und also auch keine Möglichkeit hatte, links liegen gelassen zu werden. 

Fakt ist: Robert Lewandowski ist ein bekannter → Stoßstürmer, und gleichzeitig der beste Wandstürmer der Liga bzw. der beste Wandstürmer Europas  bzw. der Welt 

Unabhängig vom Wandstürmer bleiben zwei Wahrheiten: „Prinzipiell kann jedes System im Fußball Erfolg bringen, wenn ich die richtigen Spieler dafür habe.“ Und: „Damit man einen ballbesitzorientierten Fußballstil spielen kann, benötigt man einen Ball.“ Dem ist wenig hinzuzufügen. Es sei denn, man fährt das Ding gleich komplett an die Wand.

Kommentare:

  1. Wie schön, the Lady is back (net zu verwechseln in diesem Kontext mit black und/oder red).
    Bei der gefühlten monatelangen Abwesenheit hätte ich ja auf bebilderte Reiseberichte von Mimeer bis Atlankü (quasi als Quartiermeister der Grupha) getippt. Jetzt also doch hoch Lehrreiches zu ebbes, was wir noch net so gut können (also Sturm meine ich). Beim überraschten Überfliegen hab ich allerdings die Sub-Kategorie monovalente "Stehgeiger" vermisst. Aber vielleicht gehören die ja auch unter den Buchstaben A wie arges Ärgernis.

    Freu mich ganz doll, dass Du zurück bist.
    BB

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  2. Ei, ich war doch gar net fort, zumindest nicht so richtig. Trotzdem freu ich mich sehr, dass du mich vermisst hast - ich dich auch :) Wollte eigentlich gerade in den beiden "ruhigen" Wochen eigentlich ein bisschen mehr bloggen, vor allem auch das ein oder andere randständige, aber dann kam es anders und wuppdich waren die Tage vorbei. Zu "Bordeaux, Bordeaux wir fahren nach Bordeaux" gibt's natürlich auch noch was, mit Eupho, allerdings nicht nur *g.

    Stehgeiger? Gute Idee. Aber als nächstes gibt es vermutlich erst einmal eine Einlassung zum "Lochpass".

    Lieben Gruß, K.

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  3. Von Wandstürmer hatte ich noch nie zuvor gehört.

    Danke für das Schließen dieser Wissenslücke :)

    Finde es auch schön, dich mal wieder zu lesen.

    LG Nicole

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  4. Also, mir ist das zu modern. Und zu kompliziert. Stürmer ist der, der vorne steht und Tore macht. Und der, der gewinnt, ist die Eintracht. Siehst du, Fußball kann so einfach sein. :-)

    Gruß vom Kid

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