Freitag, 17. Mai 2013

Europäisches Allerlei

Nur noch ein Tag, dann ist es so weit.  Heute ist die Welt grau und regnerisch, morgen Nachmittag soll – laut Wetterbericht – die Sonne durchbrechen.  In  meinem Kopf schwurbelt die Eintracht, Europa, das Spiel morgen. Hoffnungen.  Träume. Aufgeregt? Hibbelisch? Ich? **wasnquatsch**  Will mich einfach nur freuen aufs Spiel, mutig voran, wir packen das. Keine Ahnung, warum mein Herz so merkwürdige  Hüpfer macht, wenn ich an morgen denke. Das piekst und flattert. So ein wildes, wundes Gefühl im Brustkorb.  Mein Magen dreht sich. Naaain, das hat nichts zu bedeuten.  Mir ist bloß ein bisschen schlecht. Und da ist noch dieses merkwürdige Kribbeln in den Beinen, den Fingern. In meinem Kopf summt es. Keine Ahnung, warum ich dauernd sinnlos vor mich hinkritzele, zwischendurch  laut aufstöhne („Hast du was?“ „Ich???“), plötzlich aufspringe und relativ sinnfrei durch die Wohnung irre.

Irgendwas wollte ich doch. Aber was war das bloß?  Bringe einen Stapel alter Zeitungen zum Papiermüll.  Was steht da? Ein Bericht über Rheinadler (also: Rheinradler) und  da: Eine Warnung vor  Adlerfallen. Was ist DAS denn? Ach so – Radarfallen. Ministerin fordert Embryonen-Rückgaberecht? Das kann ja wohl nicht wahr sein, muss mich verlesen haben. Und Google muss  künftig autocomplete Suchbefehle löschen, wenn sie Persönlichkeitsrechte verletzen. Ein böser Dämon zwingt mich zu einer Testeingabe: "Eintracht verpasst"… gebe ich ein und erhalte als Komplettierungsvorschlag: „Verpasste Meisterschaft Eintracht Frankfurt“. Löschen das, sofort löschen.

Am Montagabend  im HR-Heimspiel  erwarte ich Heribert Bruchhagen  und bin vollkommen überwältigt als ich außerdem auch noch Jürgen Grabowski und Uwe Bindewald auf dem Interview-Sofa sitzen sehe. Grabi. Binde. "Das macht mir einen Gänseschauer."  Jürgen Grabowski erzählt, wie das damals war, als er im Endspiel um den UEFA-Cup nicht dabei sein konnte. Den Namen desjenigen, der dafür verantwortlich war, nimmt er dabei nicht einmal  in den Mund. Mensch, der Grabi, der leibhaftige Grabi. Nicht nur auf dem Platz hat er eine Aura. Das Studiopublikum singt "Schwarz weiß wie Schnee" - das war ganz spontan, gelle? Uiiii, jetzt könnte es ein bisschen peinlich werden. Aber Grabi bleibt souverän. Klatscht. Klapp, klapp. Freut sich. Unter Gyula Lorant trank die Mannschaft vor dem Spiel bei offener Kabinentür noch ein Tässchen Espresso und aß ein paar Kekse, während der Gegner sich in den Katakomben bereits zum Auflaufen formierte. „Ganz ruhig...ihr gewinnen das,“ sprach Herr Lorant. Und so kam es dann auch. Ach, so war das.  Zico grinst, erzählt wie hart er sich alles erarbeitet hat. Marc Stendera ist ein guter Junge und das Abschiedsspiel mit Schui – fast sechs Jahre ist das schon her – Zico 24, ja, das war wunderbar.

Lalala. Im fernen Malmö hat in diesen Tagen das Vorgeplänkel zum Eurovision Song Contest begonnen. Europa?  Halbfinale? Klar, da bin ich dabei. Yeah.  Grand Prix at ist best. Hüpfende Männer in Astronautenanzügen, erwachsene Frauen in rosa Kleinmädchen-Kleidchen oder in Wurstpellen. Jede Menge schöne Frauen, die merkwürdig gleich aussehen. Bei einer brennt sogar der Kittel.  Klare  Favoritin ist die Dänin, die im zarten  Kleidchen – o wie ist das schön – ein sehr nettes, irisch angehauchtes Liedchen trällert. Only Tear drops? Ach was:  „Erste Runde Bröndby…“. Überraschenderweise  kommen auch die Belgier  weiter – ein junger Sänger mit buschigen Augenbrauen, der von zwei, eher kräftigen Damen in Flattergewändern umtanzt wird.  Island kommt sehr straight, ein wenig pathetisch und eingängig daher. Nett, das.  Rejkavik? Doch, das wär eine schöne Auswärtsfahrt. Hilfe, der schmetternde Rumäne (Steaur Bukarest – gibt’s die noch?) wird auch noch im Finale von nackten Männern umtanzt werden. Die Schweizer  (huhu, Markus, huhu Christoph)  formerly known as Salvation Army sind dann doch  zu altbacken  und fallen raus.  Der Malteser singt sommerheiter wie Jack Johnson und der Ungar singt erst seit einem Jahr, hat Philosophie studiert, ist Nietzsche-Fan, Inhaber eines Tattoo-Studios und trägt eine Nerd-Brille. Den mag ich. Lalala. Ein bisschen schräg, ziemlich bunt und ganz schön cool.  Hurra, er ist im Finale dabei. Wie heißt doch gleich der ungarische Meister? Buda…nix da: Debrecen. Ok. Gebongt. Schließlich noch der letzte Finalteilnehmer: Die  gutgelaunten Folkpunker aus Griechenland.  Ama, Sotos, Panathinaikos on my mind.  Wie heißt noch gleich der Titel der Griechen? „Alcohol is free“ -  damit kann ich auf jeden Fall am Samstag etwas anfangen. So oder so.

Vom Trainingsgelände wird berichtet, dass eine Schulklasse der Eintracht ein Ständchen gebracht hat, mit Gitarrenbegleitung. ** singan** Holdrio und holdria, bald sind wir in Euro-pa ** Aus grauer Städte Mauern. Alex Meier und Pirmin Schwegler sind im Training wieder mit dabei. Alex hat Schmerzen und Armin Veh meint, er müsse selbst entscheiden, ob er das in Kauf nimmt. Hält er unseren Alex etwa für ein Pinzje? Never. Der Junge wird spielen!

Die Piraten beraten bei ihrem Parteitag darüber einen kontinuierlichen Online-Parteitag durchzuführen. Also, bei der Eintracht gibt es so was schon längst. Wir sind pausenlos on. Alle. Immer. Deswegen weiß auch jeder, dass er herzlich gebeten ist,  am Samstag  nach dem Spiel keinesfalls den Platz zu stürmen. Also bitte, ja? Außerdem sollte man möglichst früh den Weg in den Wald antreten.  Denn:  Wäldchestag. „Am Samstag, den 18.05., sind die Parkplätze aufgrund eines Fußballspieles in der Commerzbank-Arena erst ab 12:30 geöffnet und bewirtschaftet.“ Wie jetzt: Fußballspiel? Am Samstag? Stimmt, da war doch was. **kopfkratz***

Die Ess-Polizei Foodwatch kürt einmal mehr den „Windbeutel des Jahres“ und ich trinke ganz schnell drei Tüten  Caprisonne, esse eine „Paula“ und knabbere nervös auf meinen Pom-Bären. Nanananana – meck, meck – meck, meck. (Hatte ich bereits erwähnt, dass mir schlecht ist?)

Jemand erzählt mir, dass die Eintracht in Bremen bereits die „Europa T-Shirts“ dabei hatte. Ojemine, o Schreck, o Graus – der Rostock-Wimpel schwurbelt durch meinen Kopf und mir gefriert das Blut in meinen Adlern. ADERN. (Menno, Kerstin, jetzt konzentrier dich doch mal.)  Jetzt, wo der Samstag unmittelbar bevorsteht, mehren sich die Stimmen wohlmeinender (oder gerade nicht wohlmeinender?) Bekannter. Was regst du dich so auf?  Natürlich spielt die Eintracht nächste Saison im Europa-Cup. Wehe, wehe, weichet. Erst mal müssen wir noch gewinnen. „Mein Tipp für Samstag – 0:2, HSV – Leverkusen 2:1“ mailt mir ein befreundeter Adler, aus der anderen Ecke tönt ein „Ach was – lockeres 5:0.“ Aaaaaaaargs.

Auf der Suche nach Material zur Würdigung des Spielers der Stunde lese ich mich in meinem Blog an alten Texten und Schnipseln fest. Marco Russ, der „im Strafraum regiert“ (Abstiegssaison, elend blöde Gekas-du-Hirni-Last-Minute-Niederlage gegen Bayern), dann ein Vorbericht über die Museumsveranstaltung zum 50. Jahrestag des Jahrhundertendspiels in Glasgow. Darunter steht:

** to be continued** Also: Die rotundschwarzen Schnipsel, aber hoffentlich auch die Europa-Pokal-Geschichte der Eintracht.“

Morgen fangen wir damit an.

Kommentare:

  1. Grabi im "heimspiel" - ja, das war stark.

    Und Zico24 war wunderbar. Ein unvergesslicher Tag, der mir einiges bedeutet.

    Und heute erhebt sich der Adler wie der Phoenix aus der Asche des tasmanischen Abstiegs, um endlich wieder in die luftigen Höhen zu steigen, in denen ich ihn so gerne sehe.

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  2. Ja. Ja. Ja. Ach, Kid.... es ist ein Traum :)

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