Sonntag, 24. Februar 2013

Kleines Fußball-ABC - Heute "T" wie "Tor"


Tor, das (n), (pl. –e, die):  Viereckiges, mit einem Netz bespanntes Gehäuse,  das an jeder der beiden kurzen Enden eines Fußballfeldes steht. Ugs. auch:  → Kasten. Die Abmessungen des Kastens zwischen den beiden → Pfosten beträgt 7,32m, die Höhe bis zur Unterkante der Oberlatte 2,44 m. Vgl. hierzu auch →Unterkante Oberlippe, wenn auch in anderem Zsgh.).

Unabhängig davon, ob eine Mannschaft ein 4-4-2, ein 4-3-3, ein 4-2-3-1, ein 4-2-2-2 oder eine Ellipse mit horizontal pendelnder Spitze vor der Raute spielt, ist es das Ziel eines Fußballspiels, das Spielgerät (vgl.→ Ball) im gegnerischen Kasten unterzubringen.  Dies wird dadurch erschwert, dass sich im Tor ein → Torwart befindet, der selbiges nach besten Kräften zu verhindern sucht. 

Für die Beförderung des Balles am Torwart vorbei und  hinter die → Torlinie gibt es unterschiedliche Möglichkeiten. Häufig: Mit dem linken Fuß. Mit dem rechten Fuß. Mit dem Kopf. (Vgl. → Kopfballungeheuer, das/die  (sg/pl). Bsp.: Horst Hrubesch, Benni „Horst“Köhler. Per → Elfmeter. Per → Freistoß.  Seltener: Mit dem Hintern.  Bsp. (trad.). Dieter Höness (VFB Stuttgart) durch Anschießen. Neuerdings auch: Sascha Mölders (FC Augsburg) am 20. Januar 2013 im Spiel gegen Fortuna Düsseldorf . Per Hinterkopf. Bsp.: Uwe Seeler im WM-Viertelfinale in Mexico gegen England zum 2:2.  Per Fallrückzieher. Bsp.: Christoph Preuß (Eintracht Frankfurt)  am 17.03.2007 zum 1:0 gegen den 1. FC Bayern München. Sehr selten: Per direkt verwandeltem Eckball. Bsp.: Bernd „Dr. Hammer“ Nickel (Eintracht Frankfurt) aus allen vier Ecken des Waldstadions, z.B. am 22.11.1975 beim 6:0 gegen den 1. FC Bayern München. Äußerst selten: Im Sitzen. Bsp.: Bernd Hölzenbein (Eintracht Frankfurt)  am 7.11.1979  im UEFA-Cup-Spiel Eintracht Frankfurt – Dinamo Bukarest in der 90. Minute zum 2:0 ) Bisher einmalig: Mit der Hand Gottes. Bsp.: Diego Armando Maradonna im WM-Viertelfinale 1986 zum 1:0 für Argentinien gegen England

Jedes Tor der eigenen Mannschaft wird von den im Stadion anwesenden Fans bejubelt. Die Freude kann sich dabei unterschiedlich äußern. Häufig beobachtet werden:  Lautes Schreien. Arme in die Luft reißen. Dem Sitz- oder Stehnachbar auf den Rücken schlagen. Abklatschen. Kreischen. Wildes Hüpfen. Irres, lautes Lachen. Jaulen. Mit dem Schal wedeln. Dem Vordermann den Bierbecher ins Genick gießen.  Vereinzelt auch: Vollkommene  Erstarrung. Übliche Formen des Jubels (Bsp.): „Tooooooooooooooor!“ „Jaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaa!“ „Grmpfaaaaaaohyß%ug)=$%xxaaaiiiiiiia.“

Abb. 1: Einfaches Torschema - Das
Runde muss ins Eckige
Die Beförderung des Balles ins Tor wird als „ein Tor schießen“ bezeichnet. Zahlreiche Begriffe werden synonym verwendet. Bsp. (Auswahl): Einnetzen. Treffen.  Ein Tor erzielen. Den Ball in die Maschen dreschen. Über die Linie drücken/schieben. Den Ball rein machen. Den Ball irgendwie rein würgen.  Den Ball reinhauen. Knipsen.  Den Ball versenken. Dem Torwart einen einschenken. Über den Torwart lupfen. Köpfen. Ins lange bzw. kurze Eck schlenzen. Anwendungsbsp. (nach vertaner Chance): „Den muss er rein machen.“ (Fußballtrainer  →Armin Veh  nach der Niederlage von Eintracht Frankfurt bei Borussia Dortmund) Siehe hierzu auch: → Schusstechniken. Bsp.: Mit dem Innenrist. Mit dem Außenrist. Vollspan. Schlenzen. Lupfen. Einfach draufhalten. Mit Effet. Abziehen. Den Ball abtropfen lassen. Den Ball direkt nehmen. Ugs. auch: Einfach mal druffruuse.

Tore gelten dann als besonders spektakulär, wenn sie 1) besonders schön herausgespielt werden oder auf besondere Weise  erzielt werden. Bsp.: Alex Meier (Eintracht Frankfurt) am 30.9. 2012, Seitfallzieher zum 1:1 gegen den SC Freiburg. Wenn sie 2) Ergebnis einer herausragenden Einzelleistung sind.  Bsp.: Jay-Jay Okocha (Eintracht Frankfurt) am 31.8. 1993 (ich war dabei) im Waldstadion gegen den KSC mit Oli Kahn im Tor. Wenn sie 3) aus besonders großer oder kurzer Distanz erzielt werden. Bsp.: Klaus Augenthaler (1. FC Bayern München) am 19.08.1989 im DFB-Pokal, erste Runde, im Waldstadion von der Mittellinie gegen Uli Stein. Wenn sie 4) in irgendeiner Weise kurios sind. Bsp.: Zlatan Ibrahimovics Fallrückzieher aus 25 Metern am 14.11.2012  zum 4:2 der Schweden gegen England. Wenn sie 5) einem bereits verloren geglaubten Spiel eine Wende geben. Bsp.: Stefan Aigner (Eintracht Frankfurt) direkt nach der Pause zum 1:2 Anschlusstreffer gegen Borussia Dortmund am 25.9.2012. Wenn sie 6) ein wichtiges Spiel entscheiden.  Bsp.: Charly Körbel (Eintracht Frankfurt) köpft am 17.6.1989 in der 68. Minute das Ausgleichstor gegen Hannover 96 und sichert damit den Relegationsplatz. Sehr schön auch: → Ioannis Amanatidis (Eintracht Frankfurt) im "Madonna"-Nachholspiel gegen den KSC am 22.10.2008 in der 90. Minute zum 2:1. Manchmal auch 7) alles zusammen. Bsp.: Der Übersteiger von Jan-Aage-Fjörtoft (Eintracht Frankfurt) am 29.5. 1999 zum 5:1 gegen den 1. FCK und die Rettung vor dem Abstieg in buchstäblich letzter Minute.

100 Prozent sichere, vergebene Torchancen werden – je nachdem ob sie von der eigenen oder von der gegnerischen Mannschaft vergeben werden – 1)  händeringend beklagt oder sind 2) auch Jahre später immer wieder Anlass höchster Belustigung. Bsp.: 1) Theofanis Gekas (Eintracht Frankfurt) verpasst am 23.04.2011 in der 84. Minute das 2:0 gegen 1. FC Bayern München, das Spiel endet durch Elfmeter für die Bayern in der 89. Minute mit 1:1. 2) Srdan Lakic (damals: 1. FC Kaiserslautern) in der Saison 2010/11 am 5.3.2011 vergibt im Waldstadion  kurz vor Abpfiff den Siegtreffer gegen Eintracht Frankfurt. Ähnlich: Edgar Prib (Spvg. Greuther Fürth) am 12.12.2011 .

Das Ergebnis eines Fußballspiels wird dadurch ausgedrückt, wie häufig es den beiden gegeneinander spielenden Mannschaften geglückt ist, den Ball ins gegnerische Tor zu befördern.  Es gibt torreiche, torarme oder torlose Spiele: 5:1 (torreich), 1:0 (torarm) 0:0 (torlos).  Bsp.: SC Freiburg – Eintracht Frankfurt (22.2.2013).

Wenn ein  bestimmter Spieler – i.d.R.: ein Stürmer - über längere Zeit kein Tor mehr erzielt hat, heißt es, er sei in der Krise. Vgl. hierzu auch: → Ladehemmung → Denkgefängnis.

Wenn eine Mannschaft schon längere Zeit kein Tor mehr erzielt hat, wird dies als → Torflaute bezeichnet. Vereinzelt auch (burl.): → Torschusspanik.  Bsp.: Anno 2013 erzielte Eintracht Frankfurt im Zeitraum vom 9. 2. bis zum 22.2.  in drei aufeinanderfolgenden Spielen gegen Nürnberg, Dortmund und Freiburg keinen einzigen Treffer. Jede  Torflaute gibt Anlass zur → Analyse.  Analysebeispiel (stand..): "Die Laufwege passen nicht." "Der entscheidende letzte Pass fehlt."  "Wir brauchen einen →Stoßstürmer." Analysebeispiel  trad./ugs.  (Opa): „Die wolle mim Ball ins Door enoi laafe.“  (ders.): „Angst vor de eigene Kuraasch.“

Die Bemühungen ein Tor zu erzielen, werden häufig lautstark durch aufmunternde Zurufe und Gesänge vom Publikum auf den Rängen unterstützt. Bsp.: "Auf geht’s Eintracht schieß ein Tor, schieß ein Tor für uns." "Eintracht vor, schieß ein Tor.“  Auch bei einzelnen Spielern konnten auf diese Weise gute Erfolge erzielt werden (vgl. hierzu → Lent, Arie van und → Cha, Du Ri).

Rund ums Tor gibt es viele lustige Spiele. Die Sportschau kürt seit 1971 regelmäßig das „Tor des Monats“. Im ZDF-Sportstudio kann man an einer Torwand den Torschuss üben. Bei Playforyourclub schießt Eintracht Frankfurt regelmäßig so viele Tore, dass der Verein bereits seit Jahren im Europacup oben mitspielt.

Das Tor ist Gegenstand vieler nachdenklicher auch philosophischer Betrachtungen. „Da steht es nun das arme Tor und ist so leer als wie zuvor.“ (Johann Wolfgang Goethe nach dem Besuch eines Fußballspiels Eintracht Frankfurt vs. Kickers Offenbach im Jahre 1788). „Zwei Chancen, ein Tor – das nenne ich hundertprozentige Chancenauswertung.“ (Roland Wohlfahrt, MSV Duisburg). In diesem Sinne.

Kommentare:

  1. Ein feiner Eintrag ins Fußballlexikon und passt z.B. gut zum Eintrag Stoßstürmer. Und Riedenarbeit beim Verlinken/Belegen. Große KIlasse, Gruß, C.

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  2. Soll natürlich heißen: RieSenarbeit

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