Freitag, 6. Januar 2012

Halle. Halle. Halle.

Als der in grün gewandete Patrick Ochs gestern den Ball zum 6:0 ins linke Eck an unserem am Ende vollkommen überforderten Torwart Mario Milter vorbeigeschoben hat, da war es dann so weit: Ich hab gegen den Tisch getreten. Die darauf stehenden Teller klirrten, die Katze machte einen Satz. Nein. Nicht mehr lustig. Verdammt noch mal: Wir sind Eintracht Frankfurt und wir müssen uns in der Halle nicht so vorführen lassen.

Ok, ich weiß: Halle ist nicht wichtig. Sicher. Der Stellenwert der Hallenturniere tendiert gegen Null. Die Verletzungsgefahr in der Halle ist relativ hoch (obwohl ich mich nicht erinnere, dass sich in den letzten Jahren bei den Hallenturnieren jemand ernsthaft verletzt hätte).  Im Vordergrund steht das Event. Trotzdem.

In den 90er Jahren hatte die Eintracht so etwas wie einen Hallennimbus. „Hallenfußball ist eben etwas für technisch versierte Mannschaften“, hieß es. Fast alle namhaften Bundesligamannschaften beteiligten sich am Hallenmasters, das sich aus vielen Einzelturnieren zusammensetzte. Die besten Mannschaften qualifizierten sich fürs Finale, wo dann eine Art "Hallenmeister" ausgespielt wurde.

Die Halle war eine Schaubühne, auf der die Eintracht zeigte, wer sie eigentlich ist. In der Liga schwankende Leistungen, mal so, mal. Längst nicht mehr die Eintracht, die sie mal war. Aber immer noch Diva, in der Halle eine Macht - und der immer wieder demonstrierte Anspruch, weiterhin eine Spitzenmannschaft zu sein (Saison 95/96: 4 Turniersiege, Qualifikation fürs Hallenmastersfinale; 1996/97: Zwei Siege, zwei zweite Plätze, Finale; 1998/99: dritter Platz beim DFB-Hallen-Pokal 1999).  „Eintracht Frankfurt,“ sagten die Kommentatoren, „Eintracht Frankfurt ist bekannt für seinen technisch feinen Fußball – klar, dass die Spaß in der Halle haben.“

Felix Magath mag sein wie er will – aber er ist bei seiner Mannschaft, sitzt auch in der Halle an der Bande, saß auch letztes Jahr dort, wo bei uns Michael Skibbe und in diesem Jahr (zumindest in Mannheim) Armin Veh nicht stand. Stattdessen ist Bruno Hübner da - immerhin. Und Franco Lionti (den, wie ich seit gestern weiß, Felix Magath sehr schätzt, weil er für ihn – so Kommentator Oliver Forster - während seiner Zeit in Frankfurt der einzige intelligente Ansprechpartner war). Auf dem Platz stehen ausschließlich Spieler aus der zweiten Reihe und  unsere talentierten Nachwuchsspieler erhalten (wieder Originalton OF) „eine Chance sich auf großer Bühne zu zeigen.“

Ach sooooo – dann isses ja prima, dass keiner da ist, der die Wertigkeit dieser Chance unterstreicht. Bin sicher, dass die Jungs sich gestern ungeheuer wertgeschätzt gefühlt haben. ...Hey – ihr seid nah dran. Hier könnt ihr zeigen, dass ihr auf eure Chance brennt. Locker. Mit Spaß. Kombinieren. Schießen. Als Team zusammen wachsen. Eintracht sein und zeigen... Na ja, stattdessen hatten sie ja auf der frühen Heimfahrt ausreichend Zeit im Bus gemeinsam ein Liedchen zu singen. **singan** „Das ist Wahnsinn – warum schickt ihr uns in die Halle?“

Wir wollen wieder zurück in die erste Liga. Es wird eng. Es wird auf Kleinigkeiten ankommen. Diejenigen Mannschaften werden aufsteigen, die die beste Einstellung und die besten Nerven haben, sich keine Blößen geben. Es ist wichtig, Stärke zu demonstrieren. „Hey – habt ihr die Eintracht gesehen? Mann sind die gut drauf, motiviert bis in die Haarspitzen. Und boah – wow – so viele junge Talente hinten dran. Das wird was mit denen. Boah. ich glaub nicht, dass die jemand aufhalten kann auf ihrem Weg zurück in die erste Liga.“

Das hat in Mannheim sicher keiner gedacht.

Wie sagte doch gestern gleich einer der Kandidaten von „The Voice of Germany“: „Da bleibt der Spaß nicht aus.“

Doch. „Halle. Halle. Halle.“

Kommentare:

  1. Dieser Kommentar wurde vom Autor entfernt.

    AntwortenLöschen
  2. Ah, die Eintracht-bei-Hallenturnieren-Geschichte wird noch weiter breitgetreten. Geil, irgendwie!
    Am Mittwoch wurde besagte Thematik von einem guten Kumpel und meiner Wenigkeit unter Biereinfluß (Binding-what else?) bis ins kleinste Detail auseinander gepflückt. Vielleicht sollte man doch die Chance wahrnehmen und mal wieder hingehen (zumindest werde ich es mal aufnehmen und am Sonntag anschauen). Vielleicht kann die SGE mal wieder an die Hallenspitzenzeiten der 90er anknüpfen. Der Anspruch eine Spitzenmannschaft zu sein, ist ja immerhin noch vorhanden...

    AntwortenLöschen
  3. Mein schönstes Hallenfußball-Erlebnis war (das ist fast ein bisschen so wie am Ende von Flauberts „L’education sentimentale“ ,-) ein Besuch, der gar nicht stattgefunden hat. Wir waren spontan zur Ballsporthalle gefahren, um vielleicht noch Karten zu erwischen, haben bei nasskaltem Wetter vor der Halle herumgelungert, rumgeblödelt, Leute wegen Karten angehauen, den Anmarsch der Fangruppen beobachtet und die Ankunft der Mannschaftsbusse gesehen – und sind dann, als die Lage aussichtlos war, durchgefroren wieder nach Mainz gefahren, haben uns Pizza bringen lassen und das Turnier im Fernsehen angeschaut. Das war sehr schön. Im Jahr drauf haben wir den Live-Besuch dann nachgeholt – hatte mir das zumindest sehr stimmungsvoll vorgestellt – war es nicht. Eher lahm – und das lag nicht nur daran, dass wir im Halbfinale rausgeflogen sind.

    Zu welchem Turnier willst du denn am Sonntag???

    AntwortenLöschen
  4. So ein Turnier ist ja auch eine Chance, evt. aufkeimender Verunsicherung oder gar Übellaunigkeit entgegenzutreten. Da sollten zumindest alle dabei sein und der Chef vorneweg. Dieser Lulliauftritt von gestern wird die Diskussionen vor dem Beginn der Rückrunde weiter anheizen und im FR G-Blog werden sie noch mehr fade Witzchen reißen. Gruß C.

    AntwortenLöschen
  5. Von Witzen umzingelt ,-) Ei, lieber Celtix, sei doch net so übellaunig :)

    Ansonsten: Stimmt! lgk

    AntwortenLöschen
  6. Ach so, nene. Ich will das Turnier heute aufnehmen und mir am Sonntag anschauen. Hab mich im vorherigen Post wohl "etwas" umständlich ausgedrückt...

    AntwortenLöschen
  7. Huch, e Halleturnier :(
    Kann mich dafür nicht begeistern, und trotzdem hat das gestrige Auftreten bei mir zu ähnlicher Übellaunigkeit wie bei Celtix geführt. Also, erst mal nix zu erkennen von "motiviert bis in die Haarspitzen".
    Verschwinde jetzt ins Wochenende und werd mich "ma gor nich um kümmänn, nich ma ignorieren", wie mein sehr geschätzter Hamburger Kollege zu sagen pflegt.
    LG, die Sarroise

    AntwortenLöschen
  8. Na klar,keiner hängt so ein Hallenturnier unnötig hoch, außer denen die Eintritt bezahlt haben und solchen Trotteln wie ich, die sich sowas auch noch im Fernesehen anschauen.Na ja,Schwamm drüber,morgen beim eigenen Turnier werden sie sich sicher mehr reinhängen, ich hätte es eigentlich besser wissen müssen !!! Es ist nur ein sehr kleines Mosaiksteinchen, passt aber auf dem nun schon länger andauernden Weg ins fussballerische Nichts.
    Trotzdem ein schönes Wochenende!

    AntwortenLöschen
  9. Ich habe früher immer gerne Hallenfußball geschaut. Schade irgendwie, daß das wieder den Bach runter gegangen ist. Aber wenn ich seh, daß zuweilen eine B- und C-Garnitur aufläuft, nicht mal der Trainer am Start ist und die Zusammensetzung des Teilnehmerfeldes auch nicht so grandios ist, dann sollte man es eigentlich gleich ganz sein lassen.

    AntwortenLöschen
  10. Wie gut, dass ich vergessen habe, das Turnier aufzunehmen...

    AntwortenLöschen
  11. Herrje, welche Leistung!7. Januar 2012 um 13:10

    Weiß nicht, ob Dir da nicht etwas entgangen ist. Die Moderation war ja nun zum Teil Grimme-Preis-würdig. Das Sprachbild „Durchatmen für die Ohren“ ist doch echt poetisch. Klar, fußballerisch war das nichts, aber das hat uns ja nicht völlig überrascht, gelle?
    Frank

    AntwortenLöschen
  12. @ sarroise: "Huch e Halleturnier" - yeah, der war gut. Da hab ich gleich meine Headline für den Blogeintrag nächstes Jahr ,-))

    @ Schötzi UND skFFM: Yep. Geht gar nicht um die sportliche Wertigkeit - es geht darum, dass wir jede, aber auch jede Chance verpassen, irgendwie positiv aufzufallen. Es könnte ja ein Hauch von Begeisterung aufkommen - immer ist alles irgendwie "egal" - und es kann mir keiner erzählen, dass sich das nicht auch auf die Stimmung in der Mannschaft überträgt.

    @stay cold: Hihi. Ich hab an dich gedacht und wollte dich eigentlich in deinem Blog davor warnen, dir die Aufzeichnung anzusehen. Das hat sich ja nun erledigt ,-)

    @Herrje: Ja, der Oli Forster, das ist ein weites Feld. "Durchatmen für die Ohren." Muhahaha. Knapp daneben ist auch auf den Punkt. Hatte ihm letzten Jahr einen eigenen Blogeintrag gewidmet:
    http://rotundschwarz-kd.blogspot.com/2011/01/den-elfmeter-die-latte-versenkt.html
    Es sind ja nicht nur die Worte - auch die Phrasierung - jeder Satz ein lautes Röcheln - das ist...ähem... also, absolut: Grimme!

    Danke euch für die bunten Kommentare! lgk

    AntwortenLöschen
  13. Herrje, welche Leistung!7. Januar 2012 um 21:33

    Danke für den Verweis auf die Sprachhochlichter des DSF-Hansels. Ein weites Feld. Fürwahr. Fontane. Der musste nicht durch die Ohren atmen. Der DSF-Hansel schon. Womit hört er? Welche Innerei erteilt die Sprachbefehle? Ich weiß es doch auch nicht.

    Wird Zeit, dass dieser Unterhaus-Irrsinn zu Ende geht und wieder Reportergranaten wie … ähm, nu sach schon oder der Dings, der damals, ach nee … über die Eintracht berichten.

    Frank

    AntwortenLöschen
  14. Ich scheine wohl etwas zu verpassen, wenn ich bei Liveübertragungen den Ton/Kommentar ausmache und stattdessen Musik laufen lasse. Memo an mich: Kommentator bei Fussballspielen zulassen

    AntwortenLöschen
  15. Ich hatte früher mal Angst, beim Fussball würde es eine ähnliche Entwicklung geben wie beim Handball (das wurde auch mal draussen gespielt).
    Von daher bin ich über die aktuelle Entwicklung nicht unglücklich. Am vergangenen Sonntag musste ich mir ein D-Jugend-Futsal (leider kein Schreibfehler) antun.

    AntwortenLöschen
  16. Uh, das hab ich mir mal 10 Minuten auf EuroSport zu Gemüte geführt, Kreisch. Ebenfalls schlimm: Beachsoccer mit abgehalfterten Altstars. Ein Traum...

    AntwortenLöschen
  17. Pro Reporter-Granaten. Pro Erste Liga. Pro Ton während Fußballübertragungen.

    Jaaaa... stimmt. Diese "Vision" geisterte mal eine Zeitlang durch die Gegend, dass es dem Fußball wie dem Handball (und irgendwie auch dem Hockey) ergehen würde. Glück gehabt. Fußball ist resistent. Das macht Hoffnung.

    Futsal muss aber - hab ich mal gehört - zumindest Spaß machen, wenn man es selbst spielt...?! Wenn ich mich recht erinnere, hat auch die Eintracht eine Futsal-Abteilung - ich glaub, da hab ich in der "Diva" schon mal einen Bericht gelesen. Morgen gleich nochmal kucken...

    Beachsoccer mit Alt-Fußballern? Dann doch lieber ab mit ihnen zum Football. Manni Burgsmüller hat da doch mal... oder?

    Einträchtliche Grüße durch die Nacht! lgk

    AntwortenLöschen
  18. Korrekt. Die magische SGE hat tatsächlich eine eigene Futsalabteilung. Diese spielt sogar recht erfolgreich. Steht jedenfalls so in der Diva (aktuelle oder vorherige Ausgabe)...

    AntwortenLöschen