Montag, 16. Januar 2012

Das Wüstencamp

Fassen wir nochmal kurz zusammen:Am Samstag ist die Eintracht in ihr von langer Hand geplantes Wüstentrainingslager aufgebrochen. Die Trainingsmaterialien blieben leider im Zoll hängen, der Trainingsauftakt wurde verschoben. Die zwei Scheichs, denen das Luxushotel und die Trainingsplätze gehören, haben sich verkracht. Deswegen hat der Trainingsplatz-Scheich verfügt, dass auf den sieben wunderschönen, gepflegten Rasenplätzen direkt hinter dem Hotel derzeit ein U17-Turnier ausgetragen, damit der Hotel-Scheich seinen Gästen die Plätze nicht zur Verfügung stellen kann. Die Eintracht-Delegation entlädt eigenhändig die schließlich doch noch durch den Zoll gehievten Trainingsmaterial-Container. Die Mannschaft trainiert auf einem Bolzplatz, der direkt an einer stark befahrenen Straße liegt, oder quält sich in engen Bussen auf überfüllten Straßen zu einem Ausweich-Trainingsplatz. Armin Veh droht mit Abreise.

Mal ehrlich: Das ist doch so absurd, das muss sich einer ausgedacht haben. Oder gibt es so etwas wirklich nur bei uns?

Ja selbstverständlich gibt es so etwas nur bei uns. Luxus-Hotel, in dem gerade noch der FC Bayern gewohnt hat? First Class Trainingslager? . Hat das jemand ernsthaft einfach so für bare Münze genommen. Es war doch vollkommen klar, dass es sich bei all diesen  Plänen nur um den Countdown für die nächste Stufe eines ausgeklügelten Atomaufstieg Jetzt-Euphorie-Plans handeln konnte.

Klaus Toppmöller brachte einst einen Adler, der damals noch nicht Attila hieß, mit in die Mannschaftskabine. Christoph Daum ließ die Spieler des 1. FC Köln über heiße Kohlen laufen, um sie bis in die Haarspitzen zu motivieren. Wir gehen innovativere Wege und schicken unser Team in die Wüste. Kraft und Kondition. Technik. Kombinationssicherheit Standards. Alles schön und gut. Aber hier geht es darum, das Mannschaftsgefühl zu stärken und der Mannschaft den entscheidenden Motivationskick für die nächsten Wochen zu geben. Da sind besondere Maßnahmen notwendig. Und jetzt, bereits nach den ersten beiden Tagen, gibt es keinen Zweifel mehr: Das Trainingslager in Daha ist kein X-beliebiges Trainingslager, sondern eine handfeste und genau ausgeklügelte Outwardbound-Challenge. Über sieben Plätze musst du gehen, sieben dunkle Tage überstehen. Überall sind Tücken und Fallstricke ausgelegt – versteckte Aufgaben, die nur gemeinsam gelöst werden können und die Mannschaft, Team und Fans (noch!) enger zusammenschweißen. Denn daran darf kein Zweifel aufkommen: Auch wir – die euphorisierte Fan-Basis - steht auf dem Prüfstand. Jeden Tag müssen wir fortan unter Beweis stellen, dass wir  -  samt unserer Euphorie! -  immer neuen Schwierigkeiten und Irritationen ungebremst standhalten.

Wie im Dschungelcamp, so auch im Wüstencamp auf der anderen Seite des Erdballs ist die Parole für die nächste Tage klar und eindeutig: Habt acht. Rechnet mit allem. Lasst euch nicht unterkriegen. Ob in Daha oder daha-am. Jetzt gilt es.

Falls also morgen Vormittag der frisch verpflichtete Pätrick Helmes aus Versehen doch beim VFB Stuttgart unterschreibt – lasst euch nicht verwirren. Er wird trotzdem zufällig – *augenzwinker* - ins richtige  Flugzeug einsteigen und in Daha landen. Ebenso „zufällig“ wird es ihm außerdem gelingen, ein Netz mit Eintracht-Bällen (nur echt mit dem Adler) unauffällig durch den Zoll zu schleusen. Er steigt in ein Taxi, und lässt – wie von vehenhand geleitet – an entscheidenden Biegungen und Kurven immer wieder einen Ball aus dem fahrenden Auto fallen, so dass die drei vor geraumer Zeit – auf der Suche nach einem Trainingsplatz - vom Hotel aus gestarteten Busse mit den restlichen Spielern der Eintracht seine Fährte aufnehmen können. Zeitgleich mit den Bussen landet das Taxi am Rande eines wunderschön gelegenen Rasenplatzes. Langsam, langsam senkt sich ein Hubschrauber herab. In ihm sitzt Bruno Hübner, der verkündet... ja, was? Das weiß ich leider auch noch nicht.

Was immer es ist, was immer geschieht - es hat nur den einen Sinn – das entscheidende Quentchen an Euphorie und Begeisterung aus der Mannschaft und aus uns herauszupressen. Es wird notwendig sein, um im Aufstiegskampf die Nase vorn zu haben. Falls euch der Mut verlässt, denkt daran – es gibt Hoffnung: Ab übermorgen dürfen wir jeden Tag einen rauswählen!

Kommentare:

  1. Ich bin ja mal mehr als gespannt, ob das wirklich was mit dem Helmes wird. 4,5 Millionen Euronen (lt. transfermarkt.de) ist ja schließlich schon ne Hausnummer und die Frankfurter Vereinskasse ist ja bekanntlich so trocken wie der Rübenacker, auf dem die SGE momentan ihr Training abhält. Aber nachher ist ja Aufsichtsratsitzung und wir sind danach schlauer. Vielleicht wird ja ein weisser Kaninchen aus dem Hut gezaubert...

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    1. "Mal ehrlich: Das ist doch so absurd, das muss sich einer ausgedacht haben. Oder gibt es so etwas wirklich nur bei uns?"

      Meine Gedanken!!!

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  2. @ stay cold: Wenn schon Hut-Kaninchen, dann bitte ein schwarzundweisses. Ich bin auch gespannt. Wie ein Flitzebogen.

    @Camina: :) Im Grunde genommen sind es ja genau solche Absurditäten, die die Eintracht (mit) ausmachen. Ha - und das ist doch mal wirklich ein Grund zur Euphorie: Still alive. Still crazy after all this years :)

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    1. Klar, Absurditäten und Eintracht hat immer gut zusammen funktioniert, aber man muss ab und zu schon mal darauf achten, wo das absurde Theater aufhört und die Fassnachtsposse anfängt. Gruß C.

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  3. So. AR-Sitzung läuft wohl. Spannung!

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  4. ...und läuft und läuft und läuft... (Ob daraus am Ende auch noch eine Fassnachtsposse wird...?)

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  5. Der Vorstand und der Sportdirektor wurden "ermuntert", die Gespräche mit Patrick Helmes fortzuführen. Hu, das hat schon komisches Potenzial...und somit auch zur Fassnachtsposse ;-)

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