Samstag, 19. Juni 2010

Rotundschwarze WM-Randgänge: Bildstörung

Es war auf dem Weg zur U17 nach Langenselbold als uns zum ersten Mal der Gedanke kam: Vielleicht ist diese Weltmeisterschaft in Südafrika gar nicht echt, sondern sie ist einfach ein gigantisches Fantasy-Spiel. Es würde so vieles erklären. Z.B. diese merkwürdigen Bilder von Fußballspielen, die wir täglich im Fernsehen zu sehen bekommen. Wie bei FIFA oder Pro Evolution Soccer. Vollkommen steril und leblos. Im Hintergrund des Spielfelds die Stadionkulisse – immer nur bis zu einer bestimmten Höhe des Unterrangs zu sehen, merkwürdig einheitlich, die Köpfe verschwommen. Ab und zu winkt ein einzelnes Fähnchen – fast könnte ich wetten, dass es immer an der gleichen Stelle ist. Die immer gleiche Einstellung auf das ganze Feld. Die manchmal heran gebeamten Gesichter oder Figuren der Spieler, bei denen im Hintergrund die Kulisse immer weiter verschwimmt. Und am allermerkwürdigsten: die ab und zu eingeblendeten Fangruppen. Da stehen sie. Meistens komplett maskiert, springend oder hüpfend. Beim Spiel der Mexikaner sind sie alle in grün gekleidet und haben Sombreros oder Masken oder Püschel auf dem Kopf. Wenn Algerien spielt erscheinen sie in rot und weißen Trikots. Die Nordkoreaner sitzen in roten Jacken ordentlich aufgereiht. Die Griechen sind blau und weiß und sehen griechisch aus, alle. Die Italiener sind grünrotweiß und Italienisch. Kurzer Schwenk auf den immer gleich großen Ausschnitt. Jubel, aha – Mexikaner.

„Die sind zumindest gecastet,“ meint einer meiner Mit-Adler. „Das sind doch immer die gleichen“, meint ein anderer. Eine dritte Stimme: „Ich könnte wetten, dass da neulich, bei den Dänen, Kalkofe mitten drin rum gesprungen ist.“ Muhahaha. Stimmt. Man kann es sich genau vorstellen: In irgendeinem Fernsehstudio ist ein Trupp von Menschen passend zum jeweiligen Spiel eingekleidet worden. Steht bereit. Stadionkulisse. Sitzbänke. Schwätzt, popelt noch in der Nase, lümmelt herum. Noch letze Regieanweisungen.„Hey du da - Grüner – raus. Mexikaner sind erst morgen wieder dran.“ *grummel* Ok. Das Spiel läuft. Im Regiebuch steht: „Fangruppe“. Schwenk ins Studio. Achtung – jetzt: Jubel, Jubel, gröhl. Und wieder zurück aufs Spielfeld.

Und dann die Sache mit den Vuvuzelas. Wo kommt das Geräusch eigentlich her? Das müssen doch Massen sein, die da gleichzeitig tröten. Hat die schon mal einer gesehen? Schwarze, die tröten? Warum sieht man die nicht? In der gecasteten Fangruppe – ja, stimmt – da ist meistens einer, der eine Tröte in der Hand hält, passender- und folkloristischer Weise in der Farbe seiner Nationalmannschaft. Ich glaube meistens steht er am linken Bildrand. Und die Südafrikaner? Tröten die vielleicht vor den Stadion, weil sie nicht reindürfen? Sind die Vuvus vielleicht gar kein Support, sondern – wie ja von Fankulturforschern bereits recherchiert – doch eine Kampfansage?

Überhaupt: Außerhalb des Stadions. Von da gibt es keine Bilder zu sehen. Menschen verschiedener Nationen, die sich auf Straßen oder durch Städte bewegen. Singen. Fahnen schwenken. Einheimische. Wo sind die? Vielleicht findet die WM unter einer riesigen Glasglocke statt, die vielleicht ja tatsächlich in Südafrika steht. Vielleicht bekommt sogar jede der teilnehmenden Nationen, die Spiele in einer eigenen Version übertragen. In der deutschen Version haben die Deutschen gegen Australien gewonnen. In der Schweizer Version die Schweizer gegen die Spanier. Und in der spanischen...

Zum Glück sind wir kurz vor Langenselbold als einer meiner Mit-Adler sich in diese dann doch allzu absurde Weltverschwörungsidee verstrickt. Ein kleiner Zweifel blieb jedoch. Bis gestern. Da hat die deutsche Nationalmannschaft nämlich gegen Serbien verloren – und das wäre bei einer speziell deutschen WM-Version doch sicher nicht passiert. Wo wir grade so schön in Feierlaune sind. Uff, was für ein Glück. Dann ist ja doch alles echt! Danke für die Bildstörung!

1 Kommentar:

  1. Bildstörung hin oder her,Kerstin-drücke für mich am Samstag die Daumen mit-für unsere Jungs.
    Schade,dass das Spiel nicht am Sonntag stattfindet,da wäre ich mittendrin-statt nur dabei(Text).
    LG
    (B).

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