Dienstag, 22. September 2009

Stoff aus Aachen.

Ja, ja, is schon klar. Zu Hamburg fällt einem aus dem Stand natürlich viel ein. Is ja einfach. Aber zu Aachen? Aachen ist eine Tuchstadt erinnere ich mich. Karl der Große wurde hier gekrönt. Und zwar im Jahr 800 (eine der wenigen geschichtlichen Zahlen, die sogar ich mir merken kann). Der Karlspreis wird hier vergeben. Und der Preis wider den tierischen Ernst. Aber was ist mit Alemannia Aachen? „Jupp Kapellmann“ sagt mein Mit-Adler und ich zucke leicht zusammen. Der gehört doch eher nach Köln und Bayern? Ja schon, aber – mein Mit-Adler hat natürlich (wie so oft) recht - : Dr. Jupp Kapellmann hatte seinen ersten Profivertrag bei der Alemannia. Und auch ein anderer Jupp war mit Aachen erfolgreich: Jupp, der Wal (Wie war das noch gleich? Das einzige Säugetier, das von Fußball aber auch wirklich überhaupt keine Ahnung hat). Auch Torsten Frings wurzelt in Aachen (klick – oops!) - diese Tatsache war mir merkwürdigerweise vollkommen fremd. Anders als der Name von Willi Landgraf, der mit 508 Spielen den Zweitligaspiele-Rekord hält. Ein Kämpfer, ein Urgestein, ein Spieler, den „man“ eigentlich mag, mit dem ich mich aber trotzdem, warum auch immer, nie so recht anfreunden konnte. Und das obwohl seine Antwort auf die Frage, warum er nie in der ersten Bundesliga gespielt habe („Um ehrlich zu sein: Ich hatte nie ein Angebot.“) fast schon gerlandsche Größe hat. Inzwischen führt Willi Landgraf Fußballcamps durch und ist wenigstens nach seiner Spielerkarriere in der Bundesliga - als Jugendtrainer bei Schalke - gelandet. Nicht so Erik Meijer, sein Kumpel aus Aachener Tagen, der zwar Holländer ist, aber keine Wohnwagen mag und heute bei der Alemannia bei der Vermarktung des neuen Stadions „mit anpackt“. Kampf-
a.D.

Apropos Stadion. Den Tivoli kennt jeder. Jetzt muss erst einmal herausgefunden werden, ob er nach dem Umbau noch das ist, was er mal war. Wobei: Alles wird.

Ein Anruf bei einem Freund, der in Aachen aufgewachsen ist, bringt weitere Erstaunlichkeiten über Aachen zutage, denn – siehe da – die Aachener scheinen ein merkwürdiges Völkchen zu sein: Wenn sie sich sich irgendwo außerhalb ihrer Stadtmauern begegnen, zeigen sie sich den Klenkes. Echt wahr.
Den Klenkes. Und finden nicht mal etwas dabei.

Das war’s jetzt aber wirklich zu der Stadt, die sich eigentlich Bad Aachen nennen könnte, auf den Zusatz „Bad“ aber verzichtet, damit sie weiterhin ganz oben in der alphabetischen Liste der deutschen Städte stehen bleiben kann. Stopp, stopp – da ist doch noch was: Aachen als letzter Halt vor der belgischen Grenze fällt mir nämlich noch ein. Zu Studi-Zeiten, wenn wir Richtung Irland getrampt sind, war Aachen immer der Ort, bei dem es um Top oder Flop ging. Entweder wir bekamen hier einen Lift, der in einem Rutsch durch Belgien durchging – dann war alles klar. Oder wir wurden hier von einem Autofahrer aufgegabelt, dem belgisch zu Gemüte war. Zwei mal sind wir von Aachen gestartet und unter äußerst mysteriösen Umständen mitten in Belgien hängengeblieben. Lost in the middle of nowhere. Nein, das war kein Spaß – oder irgendwie doch.

Aber zurück auf den grünen Rasen. Dort wird die Alemannia spätestens seit Beginn des neuen Jahrtausends alle Jahre wieder als Mitfavorit für den Aufstieg von der zweiten in die erste Bundesliga gehandelt – und scheitert in der Regel. Endlich, in der Saison 2005/06 war es dann so weit – nach mehr als 35 Jahren Abstinenz, nach Sehnen und Hoffen gelang der Aufstieg - nach nur einem Jahr war der Traum - unser Glück, der Aachener Leid - wieder vorbei. Auch in der Pokalgeschichte gab es vor nicht allzu langer Zeit ein Aachener Highlight: Die Pokalrunde 2003/04. Da verlor die Alemannia zwar im Finale gegen Werder Bremen, qualifizierte sich aber trotzdem für den UEFA-Cup. Der Ausflug in den Europapokal endete dann nach der Gruppenphase. Na ja, das kommt in den besten Familien…ähem…Vereinen vor.

Zum Schluss noch zwei Spiele der Aachener, die mir besonders gut im Gedächtnis geblieben sind. Warum? Na klar, weil sie mit der Eintracht zu tun haben. Zum einen das Spiel der Aachener in der Saison 2002/03 gegen die 05er aus Mainz. Da gewannen die Aachener mit 3:0, die Eintracht spielte zu Hause zwar nur 0:0 gegen Union Berlin, zog aber trotzdem an den05ern vorbei und stand (4 Spieltage vor Saisonende) wieder auf einem Aufstiegsplatz. Beste Ausgangssituation für das direkte Aufeinandertreffen mit den M1ern am Bruchweg am nächsten Wochenende. Das lief dann leider anders als erhofft. Mmh. Na ja – am Ende ist ja dann – wie wir alle wissen :-) - trotzdem die richtige Mannschaft aufgestiegen. Das zweite Spiel ist das direkte Aufeinandertreffen mit den Aachenern im Waldstadion in der Saison 2006/07. Ein strahlend schöner Tag. Ein 4:0. Und nach den bitteren Heimniederlagen gegen Cottbus und Bochum endlich, endlich die Erleichterung, dass uns jetzt eigentlich nichts mehr passieren konnte, die Eintracht drin bleiben würde.

Nicht annähernd so dramatisch ist die Ausgangssituation für das Pokalspiel morgen. Zum Glück. Gewinnen werden wir auch morgen, so viel ist klar. Aber vier Tore müssen es gar nicht sein. Obwohl - schön wär’s schon. Doch. Schön wär’s.
PS: Sag noch mal einer, dass einem zu Aachen nichts einfällt. Und das ist längst nicht alles. Noch viel mehr rund um die Alemannia und Aktuelles zum Spiel am Mittwoch kann man im Eintracht-Forum nachlesen. Klick.

Kommentare:

  1. Danke Kerstin.

    Wie immer sehr interessant.
    So wusst eich auch nicht das Kapellmann bei Aachen gespielt hat.

    An das 4:0 kann ich mich noch sehr gut erinnern. Habe damals im Namen meiner Frau den Tipp abgegeben. Was einen CE dazu veranlasste, meiner Frau einen Strauss Blumen senden zu wolle, wennes denn eintraefe. Wie die Rechtsanwaelte halt sind, ich durfte ihr Strauss kaufen....

    Ja und Morgen?
    3:0 sagt meine Frau....

    LG
    Afrigaaner (Ralf)

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  2. Endlich Heimsieg! Und Meier trifft! Ein Traum!

    Ich freue mich jetzt erst einmal, auch wenn es mir zu viele Gegentore waren. Ja, ja, ja. Rotschwarze Träume wünsche ich.

    Viele Grüße & weiterhin sichere Straßen,
    Fritsch.

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  3. Ja, lieber Fritsch, klar hätten die Gegentore nicht sein müssen, dürfen. Aber es war einfach nur genial gestern abend. Wild, schräg, zeter und mordio, jubel, Glück. Großartig. Und tatsächlich: Ich HABE heute nacht in rotundschwarz geträumt. Wirklich! Und lieber Afrigaaner: Ich seh schon - es ist deine Frau, die bei euch in der Familie Ahnung von Fußball hat **gg ,-))

    Danke fürs Kommentieren :-)

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  4. Es war ein warmer Spätsommerabend,sehr schön und ich hatte nicht eine Sekunde,Angst,dass die Eintracht verliert.
    So lässig und relaxt,habe ich noch nie ein Spiel von der Eintracht erlebt.
    Das tat gut,nach dem letzten Spiel,was ich gegen Bremen erleben musste.
    Man konnte schön spazieren laufen (Osttribüne,lacht.
    LG
    B.(C.Willi.

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