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Es kommt immer auf die Körner an


Was erlaube Bundesliga? Die Tabelle nach den (fast) vollendeten ersten drei Spieltagen sieht (mal abgesehen von den ewigen  Bayern) doch reichlich verblüffend aus. Werder gestern in Dortmund (wow), Union gegen Leipzig (cool), Leverkusen ziert nach der erneuten Heimniederlage immer noch das Tabellenende (und Rudi Völler krault sich auf der Tribüne nachdenklich am Bart). Jedenfalls: Fast die komplette Champions League-Garde hat gestern verloren. Daran gilt es heute anzuknüpfen. Äh.. also: Nicht.

Sicher ist euch auch schon aufgefallen, dass es immer wieder Begriffe gibt, die irgendwo aus dem Nichts auftauchen und dann für eine Weile da und überall präsent sind. Erst ist es cool sie zu benutzen, dann fachmännisch. Und irgendwann ist es ein Must, ein "Ich weiß Bescheid. Ich bin mittendrin. Ich verwende die richtigen Begriffe"-Ding. Jeder nutzt sie  in jedem Zusammenhang, dabei immer mit Nachdruck, so, als ob er/sie den Begriff gerade neu erfunden hätte. Und irgendwann ertappt man sich selbst, dass man auch auf den Begriffszug aufgesprungen ist. Der Begriff "legendär" überschwappt derzeit die ganze Republik. Alles, was groß, schön und besonders ist, ist gleichzeitig legendär. Manches sogar schon bevor es angefangen hat: "Wir freuen uns auf einen legendären Abend." (Und wenn wir Glück haben und er die magische Legendaritätsmarke überschreitet ist er zudem noch episch).

Mein Lieblingsidiom im Moment sind die Körner, die in vielen Varianten die Sportberichterstattung garnieren. Ob Niklas Kaul noch genügend Körner für die 1.500 Meter hat? Unser 200 Meter Sprinter hat im Vorlauf die notwendigen Körner eingespart, um dann im Halbfinale noch zulegen zu können, während Malaika Mihambo während ihrer Corona-Erkrankung leider zu viele Körner gelassen hat. Gina Lückenkemper hat die letzten Körner mobilisiert, während Konstanze Klosterhalfen überraschend viele Körner übrig hatte. Werder konnte gestern in den letzten Minuten noch mal Körner zulegen und welche Frage beschäftigt uns Eintrachtler heute vor dem Spiel gegen den FC? Wie viele Körner haben die Kölner am Donnerstag bei der missglückten Euro-League Quali liegen gelassen? Na, das werden wir dann ja gleich sehen. 

Oliver Glasner wirkte auf mich in der PK vor dem Spiel nachdenklicher als sonst. Viele Gedanken habe man sich gemacht, viel probiert. Almamy Touré fällt vermutlich die komplette Hinrunde aus. Hatten wir vielleicht übersehen, dass wir (mit ohne Hinti) vielleicht auch noch einen Verteidiger brauchen können? Wie ich durch die Nachfrage eines Journalisten weiß, hat die Eintracht in dieser Transferperiode bereits 30 (!! - echt jetzt?) Wechselbewegungen getätigt - da sollte es auf eine mehr oder weniger doch nicht ankommen. Vierer- oder Dreierkette? Das ist, gemäß Glasner, jedenfalls nicht die entscheidende Frage, weil, wenn der rechte Außenverteidiger aus der Viererkette sich nach vorne einschaltet sowieso automatisch auf Dreierkette nach Innen verschoben wird bzw. weil bei Dreierkette, einer der Sechser nach hinten absichert bzw. sowieso immer alle nach hinten und gegen den Ball arbeiten. Oder so. Wichtig ist, dass die derzeit besten Spieler auf dem Platz stehen und dort eingesetzt werden, wo sie ihre beste Leistung abrufen können. Was wiederum mich an ein legendäres (!) Zitat von Charly Körbel aus den epischen (!) Zeiten unter Niko Kovac erinnert: "Die, was gut sind, spielen, die, was mal nicht so gut sind, die spielen dann mal nicht." Oder - um es noch präziser zu formulieren - : Es spielen immer die mit den meisten Körnern.

In diesem Sinne: Heimsieg!

(Und falls es doch nicht klappt mit dem ersten Bundesliga-Heimsieg seit vielen Monaten, lasst euch nicht verunsichern - das wird! Schaut einfach nochmal bei euch zu Hause nach. Die Wahrheit liegt nämlich nicht (wie ich bisher dachte) immer auf dem Platz. "Die Wahrheit findet hier auf dem Tisch statt." (Reporter bei der Tischtennis-EM)


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