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Europapokalsiegersommerschnipsel (Teil 1): Alles fließt!

Drei Wochen und drei Tage ist er jetzt her, DER Tag. Historisch. Legendär. Für die Ewigkeit.  Aber was ist ewig? "Il  trionfo del tempo" von Händel habe ich vor ein paar Tagen im Theater gesehen. Dort gewinnt die Zeit gegen die Schönheit und das Vergnügen. Und auch der Sommer schert sich nicht um unseren Europacupsieg, verdrängt den großen Tag, nimmt Fahrt auf wie in den Jahren zuvor. Alles blüht, duftet, quakt, zwitschert (zumindest wenn man, wie ich, auf dem Land lebt) und ich arbeite, laufe, träume, schwimme, freu mich über den wilden Himmel, schaue nachts in die Sterne und versuche, mich in den Sommerrhythmus  hineinfallen zu lassen. Bei all dem merke ich, wie sich ganz allmählich auch die Eintracht-Welt in mir wieder sortiert. Im ersten Euphorie-Schock war in mir ein einziges Gefühls-Knäuel - Glück, Ungläubigkeit, Zweifel, Befürchtungen, stille Freude, Fluchtgefühle.  Ist das, was wir grad mit der Eintracht erlebt haben, eine Art Zeitenwende? Gestern noch die Ei...

Sommer-Schnipsel

Sommer ist.  Wann fängt er an, wann hört er auf? Kann man so nicht sagen. Es ist ein Gefühl, in das man allmählich hineingleitet und sich dann fallen lässt Das tägliche Leben folgt einem eigenen Rhythmus, eine eigene Welt jedes Jahr wieder, scheinbar endlos.  Und doch spürt man gerade in den intensivsten Momenten schon die nahende Veränderung. Die Farben verdichten sich und glühen, es wird früher dunkel, die Nächte sind kühl und die Eintracht-Neuigkeiten, werden dringlicher und schieben sich immer mehr in den Vordergrund. Nur noch eine Woche bis zum Pokalspiel in Magedeburg. Irgendwann wachst du auf, die Sonne scheint, alles ist wie immer, aber du weißt: Der Sommer ist vorbei.

Die Kirche im Dorf? Papperlapapp.

Also eigentlich gehöre ich eher zur „Lass den Heribert, der ist halt wie er ist und irgendwie ist das doch auch ganz lustig“ – Fraktion. Am Sonntag, im Interview in der Halbzeitpause des Spiels gegen Inter Mailand, bin ich jetzt aber doch beinahe vom Glauben abgefallen. Du liebes bisje. Was geht in dem Mann bloß vor? Gerade habe ich mich noch darüber aufgeregt, dass Thomas Berthold den Eintracht-Scouts den guten Rat gibt, sich mehr in Südamerika umzusehen, zum Beispiel in Costa Rica. (Ach? Echt? Costa Rica? Ob er diesen Tipp wohl auch schon vor der WM parat gehabt hätte?) Aber Heribert Bruchhagen wird noch für weitere Höhepunkte sorgen. War es ein gutes Gefühl mit Marc Stendera endlich mal wieder einen Eintracht-Spieler als Europameister zu ehren?  Ralf Scholt traut sich tatsächlich unserem Vorstandsvorsitzenden eine dermaßen absurde Frage zu stellen. Ehren? Was heißt hier ehren. Da muss man die Kirche doch im Dorf lassen. Ein Schulterklopfen, ein Blumenstrauß. Mehr nicht. Was hat...

Ilmeditsch

Dass die Eintracht einen  neuenTrainer hat, habe ich gleich am Montag Abend noch mitbekommen. Es war ein heißer, ein schwüler Tag. Jetzt wird es allmählich dunkel. Wir sitzen draußen, auf dem Bänkchen hinterm Haus. Leichter Wind in den Bäumen, auf dem höchsten Baum, einer gakeligen Tanne , tiriliert eine Amsel ihr Abendlied. Die beiden kleinen Kätzchen, die den ganzen Tag im Haus gedöst haben, werden allmählich munter. Gähn. Streck. Hüpf. Hosser. Wir sitzen und schauen in den Himmel, trinken Wein, knabbern Oliven, reden über die Welt und die Eintracht. Heute hat sich wieder nichts getan. Eieiei. Wir üben uns in Bruno-Sprech. Da musst du durch. Da kenne ich mich aus. Ich weiß wie der Hase läuft. Da brauchst du Ruhe und Gelassenheit. Und einen guten Torwart. Da musst du mal nach vorne gehen und schnell wieder zurücklaufen. Da musst du vorbereitet sein. Eine unserer Katzen läuft von links durchs Bild. "Magst du noch einen Schluck Wein?" Ich mag. Der Wind weht. Von der Eintr...

Smells like Team Spirit*

Freitag abend. Es ist zehn vor Acht als der Hessische Rundfunk live ins Walstadion schaltet. „Eine großartige Atmosphäre, das Stadion brodelt“, vermeldet Dirk Schmitt und bei uns im Auto macht sich Verzweiflung breit. Kann das wahr sein? Es ist zehn Minuten vor Acht und wir sitzen immer noch im Auto, stehen seit knapp einer Stunde im Stau, mittendrin, kein Ende in Sicht, alles dicht und wir sind noch nicht einmal vorbei am Rüsselsheimer Dreieck. Bis eben hatten wir uns noch mit Galgenhumor gerettet, herumgeblödelt („Cool, dass wir in letzter Sekunde noch eine fehlende Karte aufgetrieben haben..." (vielen, vielen Dank lieber Forums-Adler :-), "da haben wir jetzt noch eine mehr, die verfällt...“) aber jetzt blicken wir unerbittlich den Tatsachen ins Auge: Wir werden es tatsächlich nicht pünktlich ins Stadion schaffen. Zweite Halbzeit - vielleicht. Scheiße. Scheiße. Große Scheiße. Es wird still. Fast apathisch. Verdammt. Und da, plötzlich. Es ist wie ein kollektiver Ruck, der ...

Unterwegs: Mit Patti Smith in Bonn

Es ist ein Sommer, an den ich mich lange erinnern werde – an diese heißen, flirrenden Tagen, an denen ich vom frühen Morgen bis spät in die Dämmerung – versunken in einem Berg von Arbeit und Terminen – im abgedunkelten Büro vor dem PC sitze, und an die Abende und Nächte voller Gezirpe und Froschgequake, die ich, die wir draußen verbringen, auf dem Bänkchen, auf den noch warmen Steinfließen der Terrasse – den Sternenhimmel über uns. Wir essen eine Kleinigkeit, trinken und schwätzen über die Ereignisse des Tages und über die Welt an sich. Am Morgen, am Abend nehmen wir jeweils den Faden wieder auf, knüpfen nahtlos an, an den vorhergehenden Tag, an den vorhergehenden Abend an. Eine endlos scheinende Kette von Tagen, hinter denen – wie ein Teppich – die Weltmeisterschaft in Südafrika und die großen und kleinen Sommerpausenereignisse der Eintracht ablaufen - immer wieder unterbrochen durch kurze Ausflüge in die Welt. Frankfurt. Mainz. Dornbirn. Zürich. Bonn. Mainz. Berlin. Unterlegt von Roc...

Rotundschwarze Eintracht-Schnipsel vom 18. bis zum 30.Dezember (Zwischen-den-Jahren-Edition)

18. Dezember Schnee Schnee Schnee. Heute abend soll die Weihnachtsfeier unserer Rheinhessenliga stattfinden – in Alzey. Das wird schwierig. Während einer unserer Mitspieler seit Stunden in der Mainzer Innenstadt feststeckt, werden wir im rheinhessischen Hinterland sanft von den Flocken eingehüllt. Es hilft nix: No way out - Zum ersten Mal seit 15 Jahren muss unser gemeinsamer Jahresabschluss ausfallen. Winter Wonder World. Essen müssen wir trotzdem etwas. Ein bisschen traurig stapfen und schlittern wir durch unseren kleinen rheinhessischen Ort. Im Landgasthof leuchtet freundliches warmes Licht durch die Butzenscheiben. Das Jägerschnitzel dampft. Spät abends steht im ZDF eine verfilmte Operninszenierung mit Anna Netrebko als Mimi auf dem Programm – La Bohème von Giuseppe Verdi. **stutz** La Bohème? Verdi? La Bohème ist doch von Puccini? Ja klar. Das weiß ich, das weiß mein Mit-Adler. Das weiß eigentlich fast jeder. Nur der Redakteur der Fernsehzeitung nicht. Aber der muss es ja schließl...