Direkt zum Hauptbereich

Bumm und Basta

Wahrlich keine richtig guten Tage für Eintrachtler. Schon befinden wir uns - Hilfe! - in der Phase, in der Hohn und Spott in Mitleid umschlagen. Bekannte und Freunde, die mit der Eintracht nichts am Hut haben (doch, so was gibt es - böse Zungen behaupten: es werden immer mehr) und die sonst gerne ein lockeres Witzchen über Frankfurt und überhaupt auf den Lippen haben, sind längst im Mitleidsmodus angekommen und behandeln mich wie eine Kranke: "Oje...was ist denn da bei euch los?...wie geht's dir denn?" Oder: "Ein schönes Wochenende kann ich Ihnen ja nicht wünschen..." (Kunde, gestern Nachmittag am Telefon).

Tatsächlich bin ich in der vergangenen Woche einmal mehr durch alle denkbaren Eintracht-Täler gegangen - Wut, Enttäuschung, rationale Analyse, Melancholie, leise Hoffnung, Apathie, Resignation, Sarkasmus. Jetzt, am Ende der Woche direkt vor dem Spiel gegen Ingolstadt überwiegt vor allem eins; Das Kämpferische, ich kann nicht anders. Den Tag, an dem ich ins Stadion gehe, um die Eintracht verlieren zu sehen oder mir wünsche, dass meine bösen Ahnungen in Erfüllung gehen, wird es hoffentlich nie geben. Die natürlichen, eingeborenen Reflexe funktionieren noch.

Ich war wahrlich von Anfang an mehr als skeptisch bei der Rückkehr von Armin Veh, die Äußerungen von Verantwortlichen (z.B. die von Peter Fischer im Heimspiel am Montag) machen mich - wie so viele andere - wütend, bei all dem was ich sehe, höre, mehr noch bei dem was ich ahne, ist mir nicht Veh, sondern Weh ums Herz. Ihr erinnert euch an 2011? Bei vielem denke ich im Moment eher an 2008/09, an die letzte Phase der Ära Funkel. Da sind wir zwar nicht abgestiegen, aber der Kübel an Hass und Häme, der derzeit immer wohlfeiler und hemmungsloser über Armin Veh ausgeschüttet wird, der geht schon sehr stark in diese Richtung und verursacht mir Beklemmung.

Heute also gegen Ingolstadt. "Jetzt ist es wichtig, dass wir gegen Ingolstadt gewinnen." Das hat Bruno Hübner nach dem Spiel in Berlin gesagt - da wäre nun wirklich sonst keiner drauf gekommen. Ein guter Teil der 11 Spieler, die heute mit dem Adler auf der Brust auf dem Platz stehen werden, hatten noch noch nicht mal annähernd Gelegenheit oder Zeit zum Eintrachtler zu werden. Sie sind erst ein halbes Jahr oder sogar erst ein paar Wochen bei uns. Apelle an den Adler in der Brust? Wie soll das gehen? Ich hoffe einfach von ganzem Adler-Herzen, dass alle, die heute mit dem superduper Alfa-Merchandising Eintracht-Trikot auf dem Platz stehen werden, nicht vorrangig Profis, sondern vor allem Fußballer sind, richtige Fußballer, die wissen, was die Stunde geschlagen hat, ihr Fußballerherz in die Hand nehmen, eventuell vorhandene Rucksäcke, oder was auch immer sie sonst belastet, abwerfen und dieses Spiel wie und mit was auch immer für sich entscheiden.

Solltet ihr zwischendurch das Gefühl haben, dass das da unten auf dem Platz irgendwie chaotisch (oder einfach irgendwie) aussieht, bitte immer daran denken: "Das sieht vielleicht manchmal aus, als hätten wir kein Konzept - aber wir haben eins." (AV)

Wie es mit der Eintracht weitergeht? Ob wir dem Abstieg von der Schippe springen? Ob die, auf die es ankommt, die richtigen Schlüsse aus dem ziehen, was im Moment abgeht?  Ich weiß es nicht. Aber jetzt holen wir einfach erst mal 3 Punkte. Basta!

Heimsieg und sonst gar nix!

Kommentare

  1. Seufz. Großer Seufzer.
    Da bleibt nicht viel was Hoffnung macht.

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Sehr großer Seufzer... Den klassenerhalt können wir schaffen - das Seufzen wird uns aber wohl weiter begleiten.

      Löschen
  2. Fordere die Nominierung der hiesigen Frontfrau für den Nostradamus-Award. Da hammers: Bumm. Und Basta.

    Mir fällts schwer, in den allgemeinen Jubel einzustimmen. Weites Feld. Aber ich frage mich natürlich: Was macht Jerry??

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Dieser Kommentar wurde vom Autor entfernt.

      Löschen
    2. Mir geht's wie dir. Ich kann nicht jubeln, bleibt mir im Hals stecken. Ja, sehr weites Feld. Schon um eine weitere öffentliche Demontage von Veh zu verhindern, war die Entscheidung wahrscheinlich richtig, ob es uns insgesamt hilft... ich weiß es nicht. Für mich sieht es so aus als hätte die Mannschaft mit klarer Ausrichtung, mit Mut und Idee von Zukunft fußballerisch auf jeden Fall die Möglichkeit das Ding noch herumzureißen. Ich wünsche mir - zumal die Mannschaft ja wohl hinter Veh stand - eine Bis-zum-Ende-der-Saison-Kräfte-Bündeln-Lösung und versteh jetzt schon wieder nicht, warum die naheliegende Lösung anscheinend eine eher unwahrscheinliche Option ist. Wenn Schur jetzt nicht kommt, dann wohl nie.

      Jerry geht es gut, da bin ich sicher. Macht heute Nachmittag mit Herrchen einen langen Spaziergang :)

      Löschen
    3. Können wir uns da ganz sicher sein? Ein Hund, der es schafft, ein paar Sekunden auf den Hinterbeinen zu stehen, hat die Vorderpfoten lang genug frei ... Was nutzt es dann noch, wenn es heißt, x stand voll hinter y. Aber auch Brutus stand mutmaßlich voll hinter Cäsar, als er ausholte.

      Na, jedenfalls hat der Neue ein paar Spiele mehr zur Verfügung als Daum. Mal schauen.

      Löschen

Kommentar veröffentlichen

Beliebte Posts aus diesem Blog

Die nächste Strophe vom alten Reisbrei

Am Samstagabend höre ich im ZDF Sportstudio die Vorankündigung für das Spiel am Sonntag im Waldstadion. „Hannover kann morgen auf den zweiten Tabellenplatz vorstoßen“, verkündet Katrin Müller-Hohenstein. Tatsächlich? Was Sie nicht sagen. Und die Eintracht? Hey – hallo, das ist unser Heimspiel, und wir werden es gewinnen, weil nämlich dann wir es sein werden, die zu Hannover und zur Spitzengruppe aufschließen. Capisce? Und tatsächlich. So machen wir es. Impressionen vom Spiel: Patrick Ochs, der in der ersten halben Stunde auf der rechten Seite herum mannövert als habe er tatsächlich vor, was er vorher verkündet hatte: Sich festbeißen – und von dem in der zweiten Halbzeit nichts mehr zu sehen ist. Halil Altintop, der (auch in seinem eigenen Sinn) zur Halbzeit hätte ausgewechselt werden müssen, und von seinem Trainer, der voll hinter ihm steht, eine viertel Stunde vor dem Ende zum Abschuss freigegeben und – sichtlich um Fassung bemüht – regelrecht vom Platz gepfiffen wird. (Ja,...

Spieltagsschnipsel 24/25: St. Pauli (33)

 "Du glaubst doch nicht im Ernst, dass wir gegen St. Pauli nicht gewinnen?" Sage ich zu meinem leicht skeptischen Mit-Adler und dann fahr ich los in Richtung Stadion. Es ist kurz vor Drei, Schon klar, dass das kein einfacher Tag werden wird, aber dabei denke ich eher an die Hin- und Rückfahrt. Der S-Bahnverkehr zwischen Mainz und Frankfurt ist derzeit - ok, sagen wir mal so - stark eingeschränkt, genau gesagt: er fällt mehr oder weniger aus. Auf verschlungenen Fahrten ist der Weg natürlich irgendwie möglich. Irgendwie? "Ob mit Bus oder Bahn..." Na, das passt doch zu dem, was wir heute vorhaben. Die Hinfahrt ist jedenfalls fast idyllisch. Mit einem SEV Über-Land-Bus zuckele ich im hellen Sonnenschein durch wenig Stadt und viel Land zum Frankfurter Flughafen, das dauert ein bisschen länger, ist aber recht beschaulich. Am Flughafen dann ein Sammelbecken für Eintrachtler aus aller Herren Richtungen, um kurz nach fünf bin ich am Stadion. Immerhin. Die Europa-Hymne höre i...

Spieltagsschnipsel 24/25: Eintracht Frankfurt - RB Leipzig (31)

Wow! Wie kann diese Mannschaft Fußball spielen, wenn sie in den Flow kommt. Abheben und dann einfach weiterfliegen.  Eine hochmotivierte Eintracht fegt überforderte Leipziger mit 4:0 aus dem Stadion. Ein über-über-ragender Ansgar Knauff. Warum in der Ferne suchen, wenn das Gute ist so nah? - alte Transferpolitikweisheit. Nene Brown. Theate. Ekitiké, der immer mehr zum unermüdlichen  Gute-Laune-Monster des Teams wird. Trapp ein starker und sicherer Rückhalt. Die Mannschaft voller Spielwitz und Energie, voller Lust am Fußball. In der zweiten Halbzeit dann kein Halten mehr. Die "Champions League wir kommen" - Stimmung verwandelt das Stadion in eine Raumkapsel, die abhebt. Bei der Auswechslung von Ansgar Knauff erbebt das Stadion. Und dann  tut Dino Toppmöller noch ein übriges um die Stimmung zum Überlaufen zu bringen. Es kommt Thimmiiiiiiiiiiie Chandler. "...und wenn sie gewinnt im Waldstadion, dann ist die Stimmung groß." O ja, das ist sie. Es war ein warmer, sonniger...