Direkt zum Hauptbereich

Es geht um den Tofu

Jetzt ist es also raus, was uns  Jahrzehnte, Jahrhunderte, ja: Jahrtausende lang verschwiegen wurde: Wurst ist krebsgefährdend. Um weitere akute Bedrohungen der Bevölkerung auszuschließen, sind umgehend erste Gegenmaßnahmen eingeleitet worden:

In Restaurants werden so genannte Fleischfresserzonen eingerichtet, die durch eine geruchsdichte Schutztür vom Essbereich abgetrennt sein müssen. Dadurch  wird vermieden, dass etwaige Dämpfe und Gerüche in den klimaneutralen Nahrungsaufnahmebereich vordringen. So sollen insbesondere Kinder geschützt werden. Denn auch Co-Wurstesser sind potenziell gefährdet, entsprechende Dämpfe könnten z. B. Suchtsymptomatiken verursachen.

Um Doppelbelastungen auszuschließen, sollte der Wurstbereich zudem vom Raucherbereich getrennt werden.

In geschlossenen Räumen, die nicht ausdrücklich als Wurstbereich gekennzeichnet sind, ist der Verzehr von Wurst verboten.

An Bahnhöfen wurden als Sofortmaßnahme Wurstesser-Zonen gerichtet. Vor dem anstehenden Bundesligaspieltag haben auch bereits die ersten Stadionverwaltungen Vorsichtsmaßnahmen ergriffen. Bratwurststandbetreiber sind aufgefordert, das Terrain um den Wurststand weiträumig abzusperren. Bei Bedarf kann zur Bewachung der Absperrung eine Hundestaffel angefordert werden. Zwingend geboten ist, dass zumindest Schilder mit der Aufschrift "Verzehr auf eigene Gefahr" angebracht werden. Ähnliche Aufkleber zur Kennzeichnung von Wurst-Fertigwaren sind bereits in Vorbereitung.

Der Begriff Wurst und daraus abgeleitete Komposita sind künftig zu vermeiden, da sie potenzielle Gefahren verharmlosen und als vorsätzliche Verschleierung möglicher Folgewirkungen verstanden werden können. Stattdessen ist der Begriff "verarbeitetes Fleisch" zu verwenden. Dem veränderten Bewusstsein einer modernen und aufgeklärten Gesellschaft soll auch im Printbereich, insbesondere bei der Neuauflage von Kinderbuchklassikern Rechnung getragen werden. Fleisch- und wurstrelevante Formulierungen werden sorgfältig geprüft und ggf. ersetzt, um traumatische Folgewirkungen bei vegan sozialisierten Kindern zu vermeiden.

Conchita Wurst wird zur neuen Ikone der Anti-Wurst-Bewegung und hat sich anlässlich des Weltvegantags am 1.November (Allerheiligen? Pah!) mit sofortiger Wirkung in Conchita Tofu-Bratling umbenannt.

Kommentare

Beliebte Posts aus diesem Blog

Die nächste Strophe vom alten Reisbrei

Am Samstagabend höre ich im ZDF Sportstudio die Vorankündigung für das Spiel am Sonntag im Waldstadion. „Hannover kann morgen auf den zweiten Tabellenplatz vorstoßen“, verkündet Katrin Müller-Hohenstein. Tatsächlich? Was Sie nicht sagen. Und die Eintracht? Hey – hallo, das ist unser Heimspiel, und wir werden es gewinnen, weil nämlich dann wir es sein werden, die zu Hannover und zur Spitzengruppe aufschließen. Capisce? Und tatsächlich. So machen wir es. Impressionen vom Spiel: Patrick Ochs, der in der ersten halben Stunde auf der rechten Seite herum mannövert als habe er tatsächlich vor, was er vorher verkündet hatte: Sich festbeißen – und von dem in der zweiten Halbzeit nichts mehr zu sehen ist. Halil Altintop, der (auch in seinem eigenen Sinn) zur Halbzeit hätte ausgewechselt werden müssen, und von seinem Trainer, der voll hinter ihm steht, eine viertel Stunde vor dem Ende zum Abschuss freigegeben und – sichtlich um Fassung bemüht – regelrecht vom Platz gepfiffen wird. (Ja,...

Spieltagsschnipsel 24/25: St. Pauli (33)

 "Du glaubst doch nicht im Ernst, dass wir gegen St. Pauli nicht gewinnen?" Sage ich zu meinem leicht skeptischen Mit-Adler und dann fahr ich los in Richtung Stadion. Es ist kurz vor Drei, Schon klar, dass das kein einfacher Tag werden wird, aber dabei denke ich eher an die Hin- und Rückfahrt. Der S-Bahnverkehr zwischen Mainz und Frankfurt ist derzeit - ok, sagen wir mal so - stark eingeschränkt, genau gesagt: er fällt mehr oder weniger aus. Auf verschlungenen Fahrten ist der Weg natürlich irgendwie möglich. Irgendwie? "Ob mit Bus oder Bahn..." Na, das passt doch zu dem, was wir heute vorhaben. Die Hinfahrt ist jedenfalls fast idyllisch. Mit einem SEV Über-Land-Bus zuckele ich im hellen Sonnenschein durch wenig Stadt und viel Land zum Frankfurter Flughafen, das dauert ein bisschen länger, ist aber recht beschaulich. Am Flughafen dann ein Sammelbecken für Eintrachtler aus aller Herren Richtungen, um kurz nach fünf bin ich am Stadion. Immerhin. Die Europa-Hymne höre i...

Spieltagsschnipsel 24/25: Eintracht Frankfurt - RB Leipzig (31)

Wow! Wie kann diese Mannschaft Fußball spielen, wenn sie in den Flow kommt. Abheben und dann einfach weiterfliegen.  Eine hochmotivierte Eintracht fegt überforderte Leipziger mit 4:0 aus dem Stadion. Ein über-über-ragender Ansgar Knauff. Warum in der Ferne suchen, wenn das Gute ist so nah? - alte Transferpolitikweisheit. Nene Brown. Theate. Ekitiké, der immer mehr zum unermüdlichen  Gute-Laune-Monster des Teams wird. Trapp ein starker und sicherer Rückhalt. Die Mannschaft voller Spielwitz und Energie, voller Lust am Fußball. In der zweiten Halbzeit dann kein Halten mehr. Die "Champions League wir kommen" - Stimmung verwandelt das Stadion in eine Raumkapsel, die abhebt. Bei der Auswechslung von Ansgar Knauff erbebt das Stadion. Und dann  tut Dino Toppmöller noch ein übriges um die Stimmung zum Überlaufen zu bringen. Es kommt Thimmiiiiiiiiiiie Chandler. "...und wenn sie gewinnt im Waldstadion, dann ist die Stimmung groß." O ja, das ist sie. Es war ein warmer, sonniger...