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Guter Rat ist (nicht) teuer

Kalt ist es geworden, in den letzten Tagen. Rund herum kränkelt alles, Schnupfen, Husten, Halsweh, Grippe, Nebenhöhlen, Ohrtubenkanal-entzündung (ja, so was gibt es!) und - wie immer – fällt mir als erster Ratschlag zur Erkältungsprävention das ein, was meine Oma mir mit auf den Weg gegeben hat: „Von unne ruff muss mer warm sein.“

Ein einfacher, aber guter Tipp, der dabei hilft, der Kälte, vielleicht ja sogar der Welt zu trotzen und der sich  für mich aus heutiger Sicht in das Bild fügt, das ich von meiner Oma bewahre, und ein ganz bestimmtes – warmes und helles – Licht auf sie wirft.

Ganz anders meine Tante Lisabeth, die leider auch nicht mehr lebt. „Langes Fädchen, faules Mädchen“, pflegte sie zu z.B. sagen, wenn sie fand, dass es schon aus Prinzip verwerflich sei, wenn man – zumal als ordentliches kleines Mädchen - bei einer Aufgabe „huddelte“. Mmh. Ein eher rigides, unbarmherziges Weltbild. Und so war ich ernsthaft empört, als die Tante eines Tages behauptete, sie hätte diesen Satz von meiner Oma übernommen. Meine Oma. Nie, nie hätte sie so etwas gesagt. Sorgfältig und achtsam. Liebevoll im Detail. Aufmerksam, niemals huddelig. Aber: Ist doch klar, dass es auch mal schnell gehen muss. Regeln sind dazu da, um auch mal davon abzuweichen. Und wenn’s hart auf hart kommt, ist es sowieso am besten, wenn man sein Schicksal selbst in die Hand nimmt und sich auf das verlässt, was man selbst für richtig hält: „Steig vom Kreuz und hilf dir selber.“ (Zitat Oma)

Es ist schon merkwürdig, wie der Fundus an Zitaten, Geschichten und Sentenzen, die man als Urgrund aus der Kindheit bewahrt, die Sicht der Welt und der Dinge prägt, aber doch auch manches Geheimnis offen lässt.

Eines liegt z.B. über meiner musikalischen Früherziehung, die ich meinem Opa verdanke, der mir bereits  im Kindergartenalter das Noten lesen beibrachte, zu der aber auch mein Klassenlehrer´in der Grundschule, Herr S., nicht unerheblich beitrug. Herr S. war ein sehr korrekter, aber irgendwie auch cooler junger Mann, der "anders" war als die anderen Lehrer.  Er fuhr einen Sportwagen - ein Cabrio -, er  trug eine braune Lederjacke – und manchmal brachte er seine Gitarre mit in den Unterricht.  Herr S. spielte, wir sangen - und manchmal spielte und sang er uns etwas vor und wir stimmten nur beim Refrain mit ein. Z.B. bei meinem damaligen Lieblingslied: „Wähla, wähla, schääla wähla schäla wähla ho“ sang ich lauthals  und trällere ich auch heute noch oft vor mich hin, denn nicht nur der Text dess Liedes, auch seine Melodie ist mir erhalten geblieben ist.

Wähla Schäla? Hää? Wie heißt das Lied denn richtig? Und in welcher Sprache hat Herr S. gesungen? Keine Ahnung. Und ich will es auch gar nicht wissen. Ein paar Geheimnisse muss man sich im Leben erhalten.

Kein Geheimnis ist: Am Sonntag spielt die Eintracht gegen Alemannia Aachen. Es soll kalt bleiben. Deswegen denkt dran: Warm anziehen, vor allem von unne ruff.

Kommentare

  1. Hach wie schön, das kommt für mich gerade zur rechten Zeit heute. Endlich mal ein Mucks, dass bald wieder Fußball gespielt wird, worauf ich mich freue, auch wenns kalt wird und man mit dem ganzen Wärmenden unne drunner aussieht wie eine Presswurst. Ein Hoch auf liebenswerte Omas.
    Grüße von der
    Sarroise

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  2. Ein Hoch auf Omas - und ein Hoch auf deinen Kommentar :-)

    Einträchtliche Grüße von Presswurst zu Presswurst ,-))

    lg von k. (die sich unglaublich auf das Spiel am Sonntag freut)

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  3. Oh ich freue mich auch auf's Spiel am Sonntag. Immer diese doofen Länderspielpausen.

    In Gedenken an meine Oma trage ich immer Unterhemden in der kalten Jahreszeit. Jawohl. So. In meinem Alter muss man eh aufpassen, hihi.
    Eine Tante Lisbeth habe ich auch, aber einen Herrn S. kann ich zwar als Klassenlehrer bieten, aber ohne Cabrio und ohne Gitarre. Dafür sprach er meinen Namen so lustig aus. Er war Rumäne. Nickolllääääää :)

    Ach und Wiedersehen mit Friedhelm, hach...

    Grüße von der nächsten Presswurst :)
    Nicole

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