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Alles neu?

Da sind wir also wieder in einem neuen Jahr gelandet. In der Neujahrsnacht haben wir den Zauber des Neuanfangs gespürt, uns über vereinzelte Glitzerstreifen am Himmel gefreut, liebe Menschen fest unmarmt, gute Wünsche in den Himmel fliegen lassen und mit unserem Glas Sekt in der Hand vielleicht ein wenig nachdenklicher als früher, aber zuversichtlich nach vorne geschaut. Still crazy. Immer noch da. So viele Pläne.

Eine Woche später scheint das neue Jahr sich schon etwas weniger verheißungsvoll zu präsentieren. Nicht nur wir, auch Corona und alle seine mutierenden Verwandten sind immer noch da und nehmen zusammen mit wissenschaftlichen Experten aller Länder, mit Tweets und Talkrunden neue Fahrt auf. Inmitten der vierten Welle schauen wir schon voraus auf die fünfte und lernen aus täglich neuen Detailstudien, dass Omikron sich so aber auch ganz anders auswirken kann. China sperrt seine Menschen ein, damit die Welt sich demnächst ungetrübt an makellosen olympischen Spielen erfreuen kann und das deutsche Skisprungteam geht einmal mehr als Favorit in die Vierschanzentournee, um dann am Ende mit leeren Händen dazustehen. 

Alles wie immer, auch im neuen Jahr. Und ich muss zugeben, dass mir beim Schreiben meines Jahresrückblicks mehr als einmal die Zeitebenen verschwommen sind, mit Blick auf Lebensereignisse, aber auch mit Blick auf die Eintracht.  War das 2021 als unsere Nachbarin plötzlich verstorben ist oder doch schon 2020?  Die Krankheit meiner Schwiegermutter vorher oder nachher? Die erste, zweite, dritte Impfung, die ausgefallene Weihnachtsfeier, das Test-Zelt, die Bundestagswahl, mein erstes verkauftes Bild, Theaterträume, die neue Kollegin, das Chaos beim Rheingaumusikfestival... War ich tatsächlich letztes Jahr kein einziges Mal bei einem  geschäftlichen Meeting mit vielen Teilnehmer*innen?  Wann war ich zum ersten Mal wieder im Waldstadion? War Adi Hütter wirklich im Januar 2021 noch unser Trainer? War es diese oder letzte Weihnacht, an der Kevin Trapp am Strand von Barthélemy seinen Superbody samt weihnachtlich dekorierter Turnübungen mit seiner superschönen Freundin zeigt (oder macht er das immer?) Wie lange sitzt Amin Younes jetzt schon seinen Vertrag bei uns aus? War Luca Jovic zwischendurch wirklich in Frankfurt oder haben wir uns das nur ausgedacht?  Und wer oder was (Wiederentdeckung der Bedeutung des Futur II in der deutschen Sprache) wird Fabio Blanco in den Annalen der Eintracht gewesen sein?

Wie auch immer.

Unzweifelhaft fest steht jedenfalls, dass  unser Trainer in der Weihnachtspause mit dem E-Roller gestürzt ist, dass Martin Hinteregger nicht nach Gladbach wechselt und dass die Eintracht in der Hinrunde der Saison 2021/22 zum Auftakt sang- und klanglos in Dortmund verloren hat. Seitdem hat sich einiges getan. Wir sind in der ersten Pokalrunde in Mannheim rausgeflogen, haben in München gewonnen, uns wie Könige der Welt gefühlt, dann ewig zu Hause nicht gewonnen und gefühlt mindestens 100 mal 1:1 gespielt. Wir haben an Oliver Glasner gezweifelt, um den Verbleib von Filip Kostic gebangt und unsere skandinavischen Neueinkäufe fast schon abgeschrieben. Wir haben nach Verstärkungen gerufen und angefangen, uns auf Abstiegskampf einzustellen. Wir haben einmal mehr einen Siegeszug durch Europa gestartet und sind als Gruppenerster in die K.O.-Runde eingezogen.  Und dann haben wir auch in der Bundesliga den Schalter umgelegt, Oliver Glasners System hat Klick gemacht, wir haben (wenn wir mal den kleinen Ausrutscher in Hoffenheim abziehen) sechs Spiele in Folge gewonnen, Jesper Lindström ist zum neuen Goalgatter und Lieblingsspieler avanciert und schon sind wir -  wuppdich - Anwärter auf einen Champions League-Platz. 

Wir waren im vergangenen Jahr erst keine, dann wenige Menschen im Stadion, dann viele - zuhause oder in Mannheim, Hoffenheim oder Griechenland - und jetzt sitzen wie wieder alle zuhause vor dem Livestream.  Pünktlich um 18.30 Uhr. Zum ersten Sieg des neuen Jahres.

*(Nicht wundern, dass die Aufzählungen nicht immer der Chronologie der Ereignisse folgt, zeitliche Abläufe werden vollkommen überschätzt).

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