Montag, 6. Mai 2019

Umpf. Boing.

Vielleicht isses wie mit dem kleinen Häwelmann oder wie mit der Ilsebill,  die immer mehr will und am Ende mit leeren Händen da steht. Jetzt ist es also passiert. Nicht nur nicht gewonnen,  sondern eine echte Klatsche kassiert. Ein 1:6,  das sich wie ein 1:10 anfühlt. Mir kommt es vor als hätte ich es tief in meinem Innern geahnt, dass der Deckel kurz vorm Hochfliegen ist,  dass wir die Peripetie bereits überschritten haben -  aber klar,  das lässt sich hinterher leicht sagen.

Dass es in der Mannschaft im Moment viele Baustellen gibt - keine Frage. Dass vielleicht sogar  unsere Vereinsführung nicht ganz so weitblickend und unfehlbar ist,  wie viele von uns glauben,  das wird die Zukunft zeigen. Reden wir doch lieber mal von uns.  Gestern morgen habe ich hier im Blog erzählt,  dass mich am Donnerstag im Stadion die emotionale Inszenierung fast erdrückt hat,  und ich frage mich seit gestern Abend, ob es unserer Mannschaft nicht vielleicht auch so geht. Geht der immer noch und noch aufwändigere Support irgendwann an der Mannschaft vorbei und ist eher für die Galerie? Ist der Jubel nach einer 1:6 Klatsche eine Aufmunterung oder Belastung? Haben wir alle angefangen uns selbst ein bisschen zu toll zu finden und uns zu oft auf die eigene Schulter geklopft?  Je häufiger dieser Pseudoatz vom "Wissen wo wir herkommen"  gefallen ist,  desto weiter haben wir uns davon entfernt. Ehrlich gesagt:  ich muss mich dazu nicht ermahnen - Eintracht Frankfurt war und ist ein großer, wunderbarer Verein und das gilt für die hoppeligen  vergangenen 20 Jahre ebenso wie für die laufende Saison.

Klar ist: Dieses emotionale Pressing kann nicht endlos ausgereizt werden,  immer noch und noch ein noch und noch höherer Höhepunkt, mehr Gänsehäute, magischer als magisch.  Die Mannschaft immer noch weiter an u. Die über ihre Grenzen Peitschen. Das ist wie beim Sommermärchen,  das mir damals schon auf den Senkel gegangen ist -  man kann den Pegel über eine gewisse Zeit immer wieder neu hochhalten,  aber irgendwann ist Schluss und die Wahrheit nur noch auf dem Platz.

Und jetzt? Noch ist alles offen,  noch können wir testen,  ob  wir uns alle noch einmal hochpeitschen können und/oder wollen. Wollen wir?

In meinem Kopf wirbeln die verschiedensten Szenarien. Alles auf die Chelsea Karte setzen,  den Finaleinzug erzwingen und es in der Liga drauf ankommen lassen,  was noch geht?  Oder  wir schaffen das Finale nicht,  in der Liga schwimmen am Ende alle Europacup-Felle davon und wir fangen mit einem Sack voller Erlebnisse und Geschichten wieder  von vorne an. Wir verkaufen Jovic und Rebic,  Kevin Trapp findet uns dann auch nicht mehr so prickelnd und macht den Boateng und Fredi Bobic stellt fest, dass die Mehreinnahmen und Verkäufe leider doch nicht genug Geld in die Kasse gespült haben,  um gut einzukaufen und sich dauerhaft vorne fest zu setzen. Dumm gelaufen.  Business case review. Die nächste Saison wieder bunt und laut und europäisch oder - so what? -  eine Nummer lässiger und (wäre doch was)  dann noch ein stückchen cooler?   Ich hätte da noch ein paar andere Prognosen im Hinterkopf,  aber jetzt erstmal dieses Spiel sacken lassen und die nächsten Aufgaben anvisieren.

Mein Plädoyer für die nächsten Tage lautet: konzentrierte Lockerheit. Weg mit dem wichtigstes-Spiel-seit-einer- Million - Jahren-Krampf ebenso wie dem 100.000 Frankfurter überschwemmen London-Hype. Jetzt können wir auf andere Art Größe zeigen. Einfach mal eine Nummer kleiner,  Fußball spielen und dann sehen, was geht. Deal?

Kommentare:

  1. ... und noch ein Ansatz: Wir machen halt keine halben Sachen - wenn wir schon verlieren, dann richtig... ,)

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  2. Romantik. Hat er gesagt. Der Bobic.

    Die aktuelle Situation der Eintracht erinnert mich an eine Episode Donald Duck. Er rast durch eine wüstenähnliche Landschaft, wird verfolgt von der Panzerknackerbande. Er schaut sich gehetzt nach seinen Verfolgern um und bemerkt nicht, dass er gerade über den Rand eines Canyons gebraust ist, nichts als Tiefe unter sich. Kein Problem, solange er es nicht realisiert. Er eilt also weiter durch die Leere, bis sein Blick nach unten fällt. Der Abgrund. In dem Moment stürzt er ab. Nächstes Bild: Grund der Schlucht, riesige Staubwolke. Nochmal nächstes: Donald sitzt leicht benommen auf der Erde, Zunge aus dem Schnabel und mit Kreisen um den Kopf, Matrosenkapp etwas schief und einem kreuzweisen Pflaster auf der Backe.

    Seinen Verfolgern ist er jedenfalls entkommen. Die Sache ist auch nicht letal ausgegangen, Pflaster und Kopfsausen kann man hinnehmen.

    Ich frag mich nur: entspricht das jetzt unserer Situation Donnerstag gegen 23 Uhr London, nach Baku, oder zu SaisonenTe? Der Moment wo man nicht weiß, dass man fliegt, könnte jedenfalls der entscheidende sein.

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  3. Eine schöne Geschichte, die kenn ich auch. Fortsetzung: Donald ist bereits gelandet. Pflaster auf dem Kopf und auf dem Bürzel. Matrosenkäppi hängt schief. Da taucht Onkel Dagobert auf. Er hält ein Bündel ententaler in den Händen und gibt Donald einen Tritt in die Federn. War doch gar nicht so schlimm, weiter,
    weiter, die Panzerknacker sind noch nicht abgehängt, Donald du kannst fliegen, da ist gar kein Abgrund. Nächstes Bild: Tick, Trick und Track schwenken Fahnen, halten ein Transparent "Donald du schaffst es". Nächstes Bild: Donald rappelt sich auf, steigt in sein demoliertes Fahrzeug, rückt seine Mütze gerade, seine Augen sind weit aufgerissen. Im Hintergrund sieht man die Panzerknacker näher kommen. Donald gibt Gas und rast auf den Abgrund zu.... Nächstes Bild ???

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  4. 1. Onkel Dagobert behält die Taler in den Händen.
    2. T, T & Ts Geschrei trägt Donald über den Abyss. Die Pflaster sind inzwischen verschwunden. Klar : - )

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  5. 3. Donald liegt im Bett selig lächelnd und ohne Schrammen. Im Arm hält er einen großen goldenen pokal.
    4. Er wacht auf. Reibt sich die Augen., sieht den pokal. Lacht.

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  6. Ooh wie schöön,dieses Happy End nehm ich.
    Allerdings,sooo weit bin ich noch gar nicht,hab aber mein Trauma vor Ort im Asterix und der Avernerschild wiedergefunden,und die Verarbeitungsstrategie gleich mit:" Wasch isch dasch:Aleschia? Wasch wollt ihr mit Aleschia?..Wir wischen nischt, wo dieschesch Aleschia ischt!"
    Klappt gut. Und im 'Asterix bei den Briten' finde ich bestimmt ein passendes Mantra, wie unsre Jungs mit den Legionären von Chelsea umzugehen haben..werden. Hoffentlich.

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  7. :D Unser aleschia, von dem wir nichts, aber auch gar nichts wissen, liegt ja - leider oder zum Glück - schon über 25 Jahre zurück und ich denke mal, auch im äußerst unwahrscheinlich Fall einer weiteren verlorenen Schlacht würde das Ergebnis nicht ganz so traumatisch nachwirken wie damals... Und im Notfall bringt unser Häuptling Adirix in der 75. Minute als Geheimwaffe den Büffel Helmutgrautvornix um dem Spiel zu geben eine Wende...

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  8. Die stolzen Bewohner des unbeugsamen Dorfes - endeten ihre Namen bei näherer Betrachtung nicht mit -ic? Adiric? Helmutgrautvornic? Hase Beric? Ante Mittendurchbic? Remember Balkangenic.

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    1. Wie könnte ich das verwechseln. Ic statt ix Latürnich, genauso heißen die. Und nach den Ergebnissen der CL gestern und heute MUSS das doch morgen auch für uns zu einem guten Ende führen. Hipp Hipp Hurric!

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  9. Nachgeschaut. Es handelt sich hier um die neumittelhochdeutsche achsengespiegelte Konsonantverschiebung. Alles in trockenen Tüchern.

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    1. *stirnpatsch* Jetzt wo du's sagst. Achsengespiegelt - logisch. Vielleicht da Costa morgen über links, Kostic über rechts? Wie auch immer. Weiterkommen oder nicht. Hauptsache Finale!

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  10. That's the spirit! Unsere Taktiktafel wird vor Chelsea liegen wie ein aufgeschlagenes, aber unlesbares Buch. Und es wird ein Heulen seyn und Zähneklappern : - )
    (Die Nonrobotverifizierung geht inzwischen um ein erhebliches smoother.)

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